Verbpärchen

DDas Deutsche hat ein ausge­präg­tes Sys­tem aus Verb­pär­chen, zu dem immer ein star­kes Verb und ein ähn­lich klin­gen­des schwa­ches Verb ge­hört – zum Bei­spiel trin­ken und trän­ken. Das schwa­che Verb drückt dabei meist das Be­wir­ken oder Ver­ur­sachen der Hand­lung aus, die das starke Verb ver­tritt: Trän­ken be­deu­tet jemand trin­ken machen (so­ge­nann­tes Kau­sa­tiv). Eben­so sit­zen und set­zen oder rin­nen und ren­nen.

Wenige dieser Doppelverben klingen aller­dings nicht nur ähn­lich, son­dern gleich: schmel­zen, er­schrecken, hän­gen. Dies führt oft zur Ver­wech­se­lung der star­ken und schwa­chen Kon­juga­tion.

Als Regel gilt: Das star­ke Verb drückt die in­tran­si­tive Hand­lung aus (Eis schmilzt, er er­schrak, er hing am Gal­gen), das schwa­che die tran­si­tiv-kau­sa­tive Hand­lung (er schmelzt Eis, er er­schreck­te sie, er häng­te das Bild auf = er mach­te das Eis schmel­zen, er mach­te sie schrecken, er mach­te das Bild hän­gen).

Schmelzen

Schmelzen als starkes Verb

Das Verbum schmelzen wird stark gebeugt, wenn das Sub­jekt selbst schmilzt.

Bei der Kon­juga­tion ist zu be­ach­ten, daß die 2. und 3. Person Einzahl sowie der Imperativ der Einzahl Umlaut e ⇢ i haben: du schmilzt, er schmilzt, schmilz! Alle ande­ren For­men der Gegen­wart haben keinen Umlaut, zum Beispiel schmelzen, ich schmelze, schmelzt!

Schmelzen als starkes Verb
schmelzen (stark, in­tran­si­tiv)
Präsens ich schmelze vor Hitze, du schmilzt vor Hitze, der Schnee­mann schmilzt in der Sonne, wir schmelzen dahin, ihr schmelzt dahin, die Eisberge schmelzen
Imperativ Schmilz nicht! Schmelzt nicht!
Präteritum ich schmolz vor Hitze, du schmolzest vor Hitze, der Schnee­mann schmolz in der Sonne, wir schmolzen dahin, ihr schmolzt dahin, die Eisberge schmolzen
Perfekt Der Schnee­mann ist geschmolzen.
Konjunktiv 1 Er sagte, daß ich vor Hitze schmölze, daß du vor Hitze schmelzest, daß der Schnee­mann in der Sonne schmelze, daß wir dahin­schmöl­zen, daß ihr dahin­schmelzet, daß die Eis­berge schmölzen.
Konjunktiv 2 Es kommt mir vor, als ob ich vor Hitze schmöl­ze, als ob du vor Hitze schmöl­zest, als ob der Schnee­mann in der Son­ne schmöl­ze, als ob wir da­hin­schmöl­zen, als ob ihr da­hin­schmöl­zet, als ob die Eis­berge schmöl­zen.

Schmelzen als schwaches Verb

Das Verbum schmelzen wird schwach gebeugt, wenn das Sub­jekt nicht selbst schmilzt, son­dern etwas ande­res zum Schmel­zen bringt. Der Wur­zel­vokal e än­dert sich nie.

Schmelzen als schwaches Verb
schmelzen: schwach und intran­si­tiv (kausativ)
Präsens ich schmelze Eis, du schmelzt das Eis, die Son­ne schmelzt das Eis, wir schmel­zen das Eis, ihr schmelzt das Eis, sie schmel­zen das Eis
Imperativ Schmelz das Eis nicht! Schmelzt das Eis nicht!
Präteritum ich schmelzte das Eis, du schmelztest das Eis, die Sonne schmelzte das Eis, wir schmeltzen das Eis, ihr schmelztet das Eis, sie schmelzten das Eis
Perfekt/
Partizip
Die Sonne hat den Schnee­mann ge­schmelzt (sys­te­ma­tisch, aber we­nig üb­lich) oder ge­schmol­zen (ent­lehnt vom star­ken Verb, im All­tag üb­lich). Ge­schmelz­tes Eis ist Eis, das ge­schmelzt wur­de, ge­schmol­zenes Eis ist Eis, das ge­schmol­zen ist.
Konjunktiv 1 Er sagte, daß ich Eis schmelzte, daß du Eis schmel­zest, daß die Son­ne den Schnee­mann schmel­ze, daß ihr dahin­schmel­zet, daß die Son­ne und die Klima­erwär­mung die Eis­berge schme­lzten.
Konjunktiv 2 Es kommt mir vor, als schmelzte die Sonne den Schnee­mann, als schmelz­test du Eis, als schmelz­te die Son­ne das Eis, als schmelz­ten wir das Eis, als schmelz­tet ihr das Eis, als schmelz­ten Son­ne und Klima­erwär­mung das Eis.

Erschrecken

Erschrecken als starkes Verb

Das Verbum schrecken bedeutet aufspringen. Die Heu­schrecke ist also ein Tier, das durchs Heu springt. Er­schrecken exi­stiert zweimal im Deut­schen: ein­mal als star­kes Verb in der Be­deu­tung schrecken (das Sub­jekt schrickt selbst) und als schwa­ches Verb in der Be­deu­tung einem ande­ren einen Schrecken ein­jagen, ihn schrecken las­sen, ihn zum Er­schrecken brin­gen.

Bei der Konjugation des starken Verbs ist zu beachten, daß die 2. und 3. Person Ein­zahl sowie der Im­pera­tiv der Ein­zahl Um­laut e ⇢ i haben du er­schrickst, er er­schrickt, er­schrick nicht!, jedoch alle ande­ren For­men der Gegen­wart nicht (zum Bei­spiel (er)­schrecken, ich er­schrecke, er­schreckt nicht!).

Erschrecken als starkes Verb
er­schrecken: stark und intran­si­tiv
Präsens ich er­schrecke, du schrickst vor der Wahr­heit zurück, er schrickt, wir er­schrecken, ihr er­schreckt, sie er­schrecken
Imperativ Erschrick nicht! Erschreckt nicht!
Präteritum ich schrak auf, du erschrakst ohne Grund, sie schrak bei sei­nem An­blick, wir er­schra­ken, ihr erschrakt, sie er­schra­ken
Perfekt Ich bin erschrocken.
Konjunktiv 1 Er sagte, ich schräke vor nichts und nie­mand zurück. Sie sagte, du schreckest oft ohne Grund. Ich sage dir, sie schrecke vor Spin­nen, Er sagt, wir schreck­ten vor nichts und nie­mand. Er sagt, ihr schreck­tet vor nichts und nie­mand. Er sagt, sie schreck­ten vor nicht und nie­mand.
Konjunktiv 2 Als ob ich deshalb erschräke! Als ob du des­halb er­schrä­kest! Als ob er des­halb er­schrä­ke! Als ob wir des­halb er­schrä­ken! Als ob ihr des­halb er­schrä­ket! Als ob sie des­halb er­schrä­ken!

Erschrecken als schwaches Verb

Das Verbum er­schrecken wird schwach ge­beugt, wenn das Sub­jekt nicht selbst er­schrickt, son­dern einem ande­ren ei­nen Schrecken ein­jagt. Der Wur­zel­vokal e än­dert sich nie.

Erschrecken als schwaches Verb
er­schrecken: schwach und tran­si­tiv (kausativ)
Präsens ich er­schrecke dich, du er­schreckst mich, sie er­schreckt ihn, wir er­schrecken euch, ihr er­schreckt uns, sie er­schrecken mich
Präteritum ich er­schreckte dich, du er­schrecktest mich, sie er­schreck­te ihn, wir er­schreck­ten euch, ihr er­schreck­tet uns, sie er­schreck­ten mich
Perfekt/
Partizip
Wir haben sie er­schreckt. Die ver­schreck­ten Rehe lie­fen davon.
Konjunktiv 1 Er sagte, daß sie ihn er­schreckte. Er sagt, daß du ihn er­schreckest. Er sagt, er er­schrecke sie. Er sagt, wir er­schreckten sie. Er sagt, ihr er­schrecktet ihn. Er sagt, sie er­schreck­ten euch.
Konjunktiv 2 Es kommt mir vor, als er­schreckte ich sie. Als ob du sie er­schrecktest! Als ob ihn ir­gend­was er­schreck­te! Als ob wir dich er­schreck­ten! Als ob ihr uns er­schreck­tet! Als ob sie mich er­schreck­ten!

Hängen

Hängen als starkes Verb

Das Verbum hän­gen wird stark gebeugt, wenn das Sub­jekt selbst hängt, dagegen schwach, wenn das Sub­jekt etwas andres zum Hängen bringt, also aufhängt.

Das starke Verbum hangen (ehemals ohne Umlaut) weist seit der Frühzeit gewisse lautliche Besonderheiten im Präsens auf, die schon im Althochdeutschen (und auch in anderen germanischen Sprachen) dafür sorgen, daß hän­gen gerne schwach gebeugt wird. Aus diesem Grund hat das starke Verbum heute dasselbe Präsens hat wie das schwache: ich hänge, du hängst …

Hängen als starkes Verb
hän­gen: stark und intran­si­tiv
Präsens Ich hänge am Galgen, du hängst am seidenen Faden, es hängt davon ab, wir hän­gen in den Seilen, ihr hängt herum, die Hüte hän­gen am Haken.
Imperativ Häng nicht so herum! Hängt nicht so herum!
Präteritum Ich hing am Galgen, du hingst am seidenen Faden, es hing davon ab, wir hingen in den Seilen, ihr hingt herum, die Hüte hingen am Haken.
Perfekt Ich bin am Galgen gehangen. Abgehangenes Fleisch (Pseudo-Deponens wie geübte Schwimmerin).
Konjunktiv 1 Er sagte, ich hinge am Galgen. Er sagt, du hängest am seidenen Faden. Er sagt, es hänge davon ab. Er sagt, wir hingen in den Seilen. Er sagt, ihr hinget herum. Er sagt, die Hüte hingen am Haken.
Konjunktiv 2 Als ob ich am Galgen hinge! Als ob du am seidenen Faden hingest! Als ob es davon abhinge! Als ob wir in den Seilen hingen! Als ob die Hüte am Haken hingen!

Hängen als schwaches Verb

Das Verbum er­schrecken wird schwach gebeugt, wenn das Sub­jekt nicht selbst hängt, sondern etwas anderes aufhängt.

Hängen als schwaches Verb
hän­gen: schwach und tran­si­tiv (kausativ)
Präsens Ich hänge das Bild auf, du hängst das Bild auf, er hängt das Bild auf, wir hän­gen das Bild auf, ihr hängt das Bild auf, sie hän­gen das Bild auf.
Präteritum Ich hängte das Bild auf, du hängtest das Bild auf, er häng­te das Bild auf, wir häng­ten das Bild auf, ihr häng­tet das Bild auf, sie häng­ten das Bild auf.
Perfekt/
Partizip
Wir haben das Bild aufge­hängt. Die auf­ge­häng­ten Bil­der hin­gen schief.
Konjunktiv 1 Er sagte, daß ich das Bild aufhinge. Er sagt, daß du das Bild aufhängest. Er sagt, er hänge das Bild auf. Er sagt, wir hängten das Bild auf. Er sagt, ihr hängtet das Bild auf. Er sagt, sie hängten das Bild auf.
Konjunktiv 2 Als ob ich das Bild schief auf­häng­te! Als ob du das Bild schief auf­häng­test! Als ob er das Bild schief auf­häng­te! Als ob wir das Bild schief auf­häng­ten! Als ob ihr das Bild schief auf­häng­tet! Als ob sie das Bild schief auf­häng­ten!