Wie beugt man starke Verben?

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A Wie beugt man starke Verben?

IIm ersten Teil geht es um die Endungen der star­ken Ver­ben und den Um­laut ei­ni­ger For­men.

A1 Präsens (Gegenwart)

Die e-Stufe (erste Stamm­form) bildet den Wurzel­vokal für alle Formen, die keine Ver­gangen­heits­bedeutung haben: den In­dika­tiv Prä­sens, den Im­pera­tiv, den Kon­junk­tiv 1 und die Nomi­nal­for­men In­fini­tiv (Ver­bal­sub­stan­tiv) und das Par­tizip Prä­sens (Verbal­adjek­tiv).

Konjugation des starken Verbums: Präsensformen Präsens (Gegenwart) Konjugation der starken Verben: Alle Präsensformen. e Indikativ Präsens Präsens ich du er/sie/es wir ihr sie/Sie nehm-e nimm-st nimm-t nehm-en nehm-t nehm-en Imperativ Präsens Imperativ nimm! man nehme! nehm-en wir! nehm-t! nehm-en Sie! Konjunktiv Präsens Konjunktiv 1 das ich dass du dass er dass wir dass ihr dass sie nehm-e nimm-st nehm-e nehm-en nehm-t nehm-en Infinitiv und Partizip Präsens Nominalformen nehm-en nehm-end

In der 2. und 3. Person Singular Prä­sens bilden ei­nige star­ke Ver­ben Um­laut: du nimmst, er/sie/es nimmt. Die­ser Um­laut wur­de in alt­hoch­deut­scher Zeit ver­ur­sacht, weil die En­dun­gen der star­ken Ver­ben da­mals in die­sen bei­den For­men ein -i- ent­hiel­ten:

  • ih far-u (ich fahre)
  • du far-is ⇢ du feris (du fährst)
  • er far-it ⇢ er ferit (er fährt)

Betroffen sind alle Verben der e-Reihe in der ersten Stammform, bei denen das ur­sprüng­liche -e- in alt­hoch­deut­scher Zeit noch er­hal­ten war:

  • Paradigma 2c: saufen, du säufst; aber: saugen, du saugst (weil es ein schwaches Kausativum säugen gibt).
  • Paradigma 3d: bergen, du birgst; bersten, du birst; sterben, du stirbst; verderben, du verdirbst; werben, du wirbst; werden, du wirst; werfen, du wirfst.
  • Paradigma 3e: gelten, du giltst; helfen, du hilfst; schel­ten, du schiltst.
  • Paradigma 3f: quellen, du quillst; schmelzen, du schmilzt; schwellen, du schwillst. Aber: melken, du melkst. Denn melken wird heute meist schwach ge­beugt. Möglich sind aber noch: du milkst, milk! Schal­len (aus schel­len), du schallst, weil es in der Ver­gan­gen­heit heißt: du schalltest.
  • Paradigma 3g: fechten, du fichtst; flechten, du flichtst.
  • Paradigma 3h: erlöschen (aus erleschen), du erlischt; dreschen, du drischt.
  • Paradigma 4a: befehlen, du befiehlst; ge­bä­ren, du gebierst; neh­men, du nimmst; stehlen, du stiehlst, tref­fen, du triffst.
  • Paradigma 4c: brechen, du brichst; sprechen, du sprichst; ste­chen, du stichst. Bei den den unhistorisch starken ck-Verben schrecken, du schrickst (neben schreckst) und stecken, du steckst (nie stickst) schwankt der Umlaut.
  • Paradigma 5a: geben, du gibst, ge­sche­hen, es geschieht; lesen, du liest; sehen, du siehst; treten, du trittst. Aber ge­ne­sen, du genest (wegen ge­nie­ßen, du genießt).
  • Paradigma 5b: essen, du isst; fressen, du frisst; mes­sen, du misst; ver­ges­sen, du vergisst.
  • Paradigma 5c: bei wiegen wurde die Um­laut­form auf alle For­men aus­geweitet (zur in­halt­lichen Un­ter­schei­dung zu wägen).

Bei diesen Verben wurde der Umlaut von der 2. Person Indikativ auf den Im­pera­tiv ausgeweitet, obwohl der Imperativ auch früher endungslos war: du nimmst ⇢ nimm! Impera­tive mit Umlaut erhal­ten niemals die fa­kul­ta­tive En­dung -e: *nimme!

Auch die Verben der a-Reihe zei­gen Umlaut a ⇢ ä im Indikativ du fährst, er fährt, aber nie im Imperativ fahr schon!:

  • Paradigma 6: fahren, du fährst; backen, du bäckst (neben backst), graben, du gräbst; laden, du lädst, schlagen, du schlägst, tragen, du trägst, waschen, du wäscht.
  • Aber heutzutage nicht mehr das j-Präsens der 6. Ab­laut­reihe: schaffen, du schaffst, weil sich neben der star­ken Beu­gung Fran­ken­stein schuf ein Mon­ster, hat ein Mon­ster ge­schaf­fen eine schwa­che mit an­de­rer Be­deu­tung ge­bil­det hat er schaff­te es ins Ziel, hat es ge­schafft.

Alle Verben mit -a- der siebten Ablautreihe zeigen den glei­chen Um­laut:

  • Paradigma 7a: blasen, du bläst, braten, du brätst; fallen, du fällst; geraten, du gerätst; halten, du hältst; las­sen, du lässt; raten, du rätst; schlafen, du schläfst.
  • Paradigma 7b: laufen, du läufst. Aber nicht: hauen, du haust.
  • Paradigma 7e: empfangen, du empfängst, fan­gen, du fängst.

Zudem auch noch als Nachahmung stoßen, du stößt nach Paradigma 7d.

A2 Präteritum (Vergangenheit)

Die a-Stufe (zweite Stammform) bildet den Wurzelvokal für alle Formen der Ver­gan­gen­heit: den In­dika­tiv Prä­teri­tum und zudem den Kon­junk­tiv 2 (Ir­rea­lis), der aller­dings im heu­tigen Deut­schen keine Ver­gan­gen­heits­bedeu­tung mehr hat.

Konjugation des starken Verbums: Präteritalformen Präteritum (Vergangenheit) Konjugation der starken Verben: Alle Präteritalformen. a Indikativ Präsens Präteritum ich du er/sie/es wir ihr sie/Sie nahm-Ø nahm-st nahm-Ø nahm-en nahm-t nahm-en Konjunktiv Präteritum = Konjunktiv 2 Konjunktiv 2 als ob ich als ob du als ob er als ob wir als ob ihr als ob sie nähm-e nähm-est nähm-e nähm-en nähm-et nähm-en

Der Konjunktiv 2 hat den regel­mäßigen Umlaut des Wurzel­vokals im Prä­teri­tum:

  • a ⇢ ä ich nahm ⇢ als ob ich nähme
  • o ⇢ ö ich schmolz ⇢ als ob ich schmölze
  • u ⇢ ü ich fuhr ⇢ als ob ich führe

Wenn der Ablaut im Präteritum bereits palatal (vorn im Mund ent­stehend, zum Bei­spiel -i) ist, ist Um­laut un­nötig.

  • i = i ich ritt ⇢ als ob ich ritte (Ablautreihe 1)
  • i = i ich fiel ⇢ als ob ich fiele (Ablautreihe 7)

Die oben gezeigten Umlaute lassen sich sehr verläßlich vom Ablaut des Prä­teri­tums ab­leiten. Un­erwar­tete Um­laute tre­ten nur vor -r-Kon­so­nant, -l, -nn auf:

  • Regelmäßig in Paradigma 4b daß ich schwöre, zur Un­ter­schei­dung vom Prä­sens auch al­ter­tümlich daß ich schwüre.
  • Das Paradigma 3e hat den Konjunktiv 2 mit altem -ü-: als ob ich hülfe, schölte, stürbe, verdürbe, würbe, würde, würfe statt *hälfe, *schälte, *stärbe, *verdärbe, *wärbe, *wärde, *wärfe.
  • Das Paradigma 3b hat -ö-: als ob ich begönne, gewönne, rönne, schölle, schwömme, sönne, spönne statt *begän­ne, *ge­wän­ne, *rän­ne, *schäl­le, *schwäm­me, *sänne, *spänne.
  • In Paradigma 4a haben alle Verben mit -l- den Umlaut -ö- statt -ä-: als ob ich stöh­le (daneben selten stähle), be­föh­le, emp­föhle.

A3 j-Präsentien

j-Präsentien (Plural auch j-Präsentia, Singular das j-Präsens sind alte Bil­dun­gen von Prä­sens­for­men, die in einigen starken Verben in den ger­mani­schen Spra­chen noch erhalten sind. Hier wurde in den Prä­sens­form ein Suffix -j an die Wurzel an­gehängt, zum Bei­spiel germanisch skap-ja-, bed-ja-, set-ja-. Die Ver­gangen­heits­for­men und das Par­tizip Präteritum hatten das Suffix nicht. Dieser Zu­stand ist heute nur noch im Is­ländi­schen gut zu sehen: sitja sitzen, við sit-j-um wir sitzen, aber við sát-um wir saßen und setinn ge­ses­sen.

Im Deutschen ist das Suffix im Zuge der hoch­deutschen Lautverschiebung mit dem voran­gehenden Kon­sonanten ver­schmol­zen und bewirkt Verdop­pe­lung des Kon­sonanten, die nach wie vor nur im Prä­sens auftritt, und zudem Umlaut in allen Prä­sens­formen:

  • sitzen (sit-ja-), bitten (bed-ja)
  • ich saß (sat), ich bat (bad)
  • gesessen (setanaz), gebeten (betanaz)

Beim Verbum schaffen, ich schuf aus ger­manisch skap-ja hat man den Um­laut erst im Neu­hoch­deut­schen schef­fen/schep­fen rück­gän­gig ge­macht (zum Grund sie­he oben).

A4 Präteritopräsentien

Präteritopräsentien sind eine Sonder­klasse von Verben. Es sind die Mo­dal­ver­ben des Deut­schen. Bei ihnen ist das Beu­gungs­para­digma nach links ver­schoben. Ablaut und En­dun­gen des Prä­teri­tums der nor­malen star­ken Ver­ben ist hier der Sin­gular der Gegen­wart:

  • ich kann (ich rann)
  • du kannst (du rannst)
  • er/sie/es kann (er/sie/es rann)

Der Plural der Gegenwart entspricht dem bis zum Früh­neuhoch­deutschen üb­lichen Plural Prä­teri­tum der star­ken Ver­ben.

  • wir k[ö⇠u]nnen (frühneuhochdeutsch: wir runnen)
  • ihr k[ö⇠u]nnt (frühneuhochdeutsch: ihr runnet)
  • sie k[ö⇠u]nnen (frühneuhochdeutsch: sie runnen)

Das Präteritum bilden die Prä­te­rito­präsen­tien schwach: ich konnte, ich sollte, ich musste, ich durfte, ich wusste, ich mochte. Mehr über die be­son­dere Beu­gung und syn­tak­tische Ver­wen­dung der Prä­terito­präsen­tien er­fah­ren Sie im Tuto­rial über brau­chen zu.

B Die Ablautreihen und Stammformen der starken Verben

DDas Ablautschema war zu Beginn im Ur­germa­nischen sehr ein­fach. Da die Verbal­wur­zeln in der Fülle in der Gegen­wart den Vokal -e- aufwie­sen, wurde die e-Stufe das Er­ken­nungs­zeichen für das Prä­sens. Diese Ver­ben bil­den die so­genann­te e-Reihe.

  • Gegenwart mit Wurzelvokal -e-:
    rejd-, bewd-, spenn-, nem-, geb-
  • Vergangenheit durch Ablaut e⇢a:
    raid-, baud-, spann-, nam-, gab-

Im wei­teren Verlauf der Sprach­entwick­lung ver­schmolz der Vokal -e- al­ler­dings mit dem nach­folgen­den Kon­sonan­ten, wo­durch sich die ein­heit­liche e-Reihe in fünf Ab­laut­reihen aufgegliederte.

  • -e- vor Halb­vokal -j- ⇢ erste Ablautreihe
  • -e- vor Halb­vokal -w- ⇢ zweite Ablautreihe
  • -e- vor So­no­rant m, n, l, r plus belieb. Konsonant ⇢ dritte Ablautreihe
  • -e- vor So­no­rant m, n, l, r oder ch ⇢ vierte Ablautreihe
  • -e- vor Ob­stru­ent ⇢ fünfte Ablautreihe

In der Vergangenheit weisen die Verben der e-Reihe den Wurzelvokal -a- auf.

  • ich nehme ⇢ ich nahm
  • ich gebe ⇢ ich gab

Es wandelt sich im Neuhochdeutschen zu -o-, wenn ihm ein So­no­rant m, n, l, r oder ein Halb­vokal w, j vorausgeht (o-Drift):

  • schwor statt schwar
  • schmolz statt schmalz
  • dro-sch statt drasch

Heute besitzt ein starkes Verb der e-Reihe drei Ablautstufen:

  • Gegenwart (Stammform 1): rinnen, ich rinne, rinne!, rinnend
  • Vergangenheit (Stammform 2): ich rann, wir rannen
  • Partizip der Vergangenheit (Stammform 3): geronnen

Diese Zahl ergab sich jedoch erst im Früh­neuhoch­deutschen, davor galt die a-Stufe nur im Singular des Prä­teri­tums. Im Plu­ral war der Wur­zel­vokal ursprüng­lich ganz geschwun­den, weil die Betoung in früh­germani­scher Zeit auf der Endung lag: Gleich­zeitig oder frü­her ga­ben auch die an­de­ren west­ger­mani­schen (Nie­der­län­disch und Eng­lisch) und fest­land­skandi­navi­schen Spra­chen (Dä­nisch-Nor­we­gisch und Schwe­disch) den Ab­laut für den Plu­ral des Prä­teri­tums auf. Nur die in­sel­skan­dina­vischen Spra­chen (Is­län­disch und Färö­isch) füh­ren die alte Vier­zahl fort.

  • Gegenwart: germanisch renn-ōich rinne
  • Vergangenheit Singular: rannich rann
  • Vergangenheit Plural: rØnn-umich rinne
  • Partizip: rØnanaz

Das Zeichen Ø steht für nichts (leere Menge). Der Wurzel fehlt nun ein Vokal. Gerät ein So­no­rant in den Kern der Wur­zel­silbe, wird im Ger­mani­schen ein -u- ein­ge­fügt: sØnga­naz gesungensun­ga­nazge­sun­gen, rØnn-um rannenrunnum ⇢ mit­tel­hoch­deutsch run­nen.

In der fünften Ablautreihe gerät ein Verschlußlaut in den Kern der Silbe gØb-um wir gaben, was na­tür­lich nie­mand aus­spre­chen kann. Des­halb wird hier ein ge­dehn­tes -ē- ein­ge­fügt, denn kur­zes -e- ist bereits das Kenn­zei­chen für Prä­sens und -a- das Zei­chen für den Sin­gu­lar der Ver­gan­gen­heit: gØb-um gabengēbum ⇢ alt­tel­hoch­deutsch gābum. Jedes ger­mani­sche ē wird im Alt­hoch­deut­schen zu ā.

Be e-Reihe

Aus den möglichen Lauten, die dem Wurzelvokal (Ablaut) folgen konnten, ergeben sich also fünf Ablautreihen:

  • 1 -e+j- (reida-) ⇢ ahd. ī (rītan) ⇢ nhd. reiten
  • 2 -e+w- (beuda-) ⇢ ahd. io (biotan) ⇢ nhd. bieten
  • 3 -e+SC- (benda-) ⇢ ahd. iSC (bintan) ⇢ nhd. binden
  • 4 -e+S- (nema-) ⇢ ahd. e (neman) ⇢ nhd. nehmen
  • 5 -e+O- (geba-) ⇢ ahd. e (geban) ⇢ nhd. geben

Weil die Laute im Laufe der Zeit unterschiedlich mit dem Vokal in­ter­agier­ten, sieht man in den For­men heut­zu­tage Un­ter­schie­de. In der drit­te Ab­laut­reihe wurde das -e- vor den Na­sa­len oft zu -i- ge­hoben: schwim­men, rin­nen, aber gel­ten, bersten. In der ersten Ab­laut­reihe ver­schmol­zen -e- und -i/j- zu lan­gem -ī-, das erst im Neu­hoch­deut­schen zu­fäl­lig wieder zu -ei- wurde (neu­hoch­deut­sche Di­phthon­gie­rung: mit­tel­hoch­deutsch mīn ⇢ neu­hoch­deutsch mein).

Auch wenn das System komplizierter gewor­den ist, bleibt es den­noch ein Sys­tem. Die star­ken Ver­ben sind alles an­dere als un­regel­mäßig.

Be1 Erste Ablautreihe

Die erste Ablautreihe entsteht aus Verben, bei denen im Urgermanischen der Halb­vokal -i/j- auf den Wurzelvokal folgte.

Ablautschema der ersten Ablautreihe vom Urgermanischen bis zum modernen Deutschen Ursprungliches Ablautschema im Urgermanischen e-i a-i Ø-i Ø-i Sprachstufen: Urgermanisch, Althochdeutsch, Mittelhochdeutsch, Neuhochdeutsch Anfang Urgerm. Ahd. Mhd. Nhd. Heute Präsens dreibana trīban trīben treiben Präteritum Singular draib treib treip trieb Präteritum Plural dribum tribum trīben trieben Partizip dribanaz gitriban getriben getrieben Heutiges Ablautschema im Neuhochdeutschen ei ie ie ie

Es ergeben sich zwei Paradigmen:

1a: -ei- bleiben, blieb, geblieben

Im Prä­teri­tum und Par­tizip wird -i- im Neu­hoch­deut­schen ge­dehnt, wenn nicht ein Kon­sonant wie in 1b folgt. Aus­nah­men sind mied (statt *mitt) und schied (statt *schitt).

Präsens Präteritum Partizip
-ei- -ī- -ī-
bleibenbliebgeblieben
gedeihengediehgediehen
leihenliehgeliehen
meidenmied(!)gemieden
preisenpriesgepriesen
reibenriebgerieben
scheidenschied(!)geschieden
scheinenschiengeschienen
schreibenschriebgeschrieben
schreienschriegeschrie(e)n
schweigenschwieggeschwiegen
speienspiegespie(e)n
steigenstieggestiegen
treibentriebgetrieben
weisenwiesgewiesen
zeihenziehgeziehen
1b: -ei-D- beißen, biss (biß), gebissen

Vor ch, f, ß, d, t (D), die wie -i- vorne im Mund ar­tiku­liert werden, wird -i- im Prä­teri­tum und Par­tizip nicht ge­dehnt. Es bleibt also kurz, wo­durch der fol­gen­de Kon­so­nant im Neu­hoch­deut­schen dop­pelt ge­schrie­ben wird.

Präsens Präteritum Partizip
-ei-D- -ĭ-DD- -ĭ-DD-
beißenbissgebissen
bleichenblichgeblichen
gleichenglichgeglichen
gleitenglittgeglitten
greifengriffgegriffen
kneifenkniffgekniffen
leidenlittgelitten
pfeifenpfiffgepfiffen
reißenrissgerissen
reitenrittgeritten
scheißenschissgeschissen
schleichenschlichgeschlichen
schleifenschliffgeschliffen
schleißenschlissgeschlissen
schmeißenschmissgeschmissen
schneidenschnittgeschnitten
schreitenschrittgeschritten
spleißensplissgesplissen
streichenstrichgestrichen
streitenstrittgestritten
weichenwichgewichen

In klassischer Rechtschreibung im Auslaut ß statt ss.

Präteritopräsens der ersten Ablautreihe

Das Präteritopräsens der ersten Ablautreihe ist wissen.

Präsens Präteritum Partizip
-ei-D- -ĭ-DD- -ĭ-DD-
-ei--i-[-u-te]
weißwissenwusste (wußte)

Die schwache Vergangenheit mit -u- ist recht neu. Zuvor hieß es wiste/wisse.

Starke Verben der ersten Ablautreihe im Englischen

Die Verben mit regulärer englischer Lautentwicklung sind:

Präsens Präteritum Partizip
bidebode (o⇠ō⇠ā⇠ai)bidden
drivedrovedriven
rideroderidden
writewrotewritten

In folgenden Formen wurde -o- im Präteritum durch -i- ersetzt.

Präsens Präteritum Partizip
bitebit (i«ō⇠ā⇠ai)bitten
hidehidhidden
riseriserisen
shitsh[i|a]tshit
slitslitslit

Be2 Zweite Ablautreihe

Die zweite Ablautreihe entsteht aus Verben, bei denen im Ur­ger­mani­schen der Halb­vokal -u/w- auf den Wur­zel­vokal folgte.

Ablautschema der ersten Ablautreihe vom Urgermanischen bis zum modernen Deutschen Ursprungliches Ablautschema im Urgermanischen e-u a-u Ø-u Ø-u Sprachstufen: Urgermanisch, Althochdeutsch, Mittelhochdeutsch, Neuhochdeutsch Anfang Urgerm. Ahd. Mhd. Nhd. Heute Präsens fleugana fliugan vliegen fliegen Präteritum Singular flaug floug vlouc flog Präteritum Plural flugum vlugen vlugen flogen Partizip fluganaz giflogan gevlogen geflogen Heutiges Ablautschema im Neuhochdeutschen ie o o o
2a: -ie- biegen, bog, gebogen
Präsens Präteritum Partizip
-ie- -o- -o-
biegenboggebogen
bietenbotgeboten
k[ür⇠ies]enerkorerkoren
fliegenfloggeflogen
fliehenflohgeflohen
fließenflossgeflossen
frierenfrorgefroren
genießengenossgenossen
gießengossgegossen
kriechenkrochgekrochen
riechenrochgerochen
schiebenschobgeschoben
schießenschossgeschossen
schließenschlossgeschlossen
siedensottgesotten
sprießensprossgesprossen
stiebenstobgestoben
triefentroff (triefte)(getrieft)
verdrießenverdrossverdrossen
verlierenverlorverloren
ziehenzoggezogen

Wiegen, wog, gewogen passt zwar hierher, gehört aber historisch und lexikalisch zu 5d und den anderen Abkömmlingen von wegen.

2b: -ü- lügen, log, gelogen

Bei zwei Verben wurde der Ablaut im Prä­sens im Neu­hoch­deut­schen von -ie zu -ü- ver­ändert, wahr­schein­lich um die For­men vor Ver­wechs­lungen zu feien:

  • lügen (versus liegen, lag, gelegen) ⇠ mittelhochdeutsch liegen (vgl. engl. lie)
  • trügen ⇠ mittelhochdeutsch triegen (analog zu lügen)
Präsens Präteritum Partizip
-ü- -o- -o-
l[ü⇠ie]genloggelogen
tr[ü⇠ie]gentroggetrogen
2c -au- saufen, soff, gesoffen

Deutsch -au- aus urgermanisch -ū- (ge­heimnis­volle ge­dehnte Schwund­stufe zu nor­malem -eu-).

Präsens Präteritum Partizip
-ei-D- -ĭ-DD- -ĭ-DD-
-au--o--o-
saufensoffgesoffen
saugensoggesogen

Dieses Paradigma zeigt zwei Sonder­fälle, alle an­deren Ver­ben mit -au- gehen nach Para­digma 7b.

Starke Verben der zweiten Ablautreihe im Englischen
Präsens Präteritum Partizip
brew(brewed)brewn
ch[oo⇠ē]sechosechosen
cleaveclovecloven
freezefrozefrozen
flyflewflown
shootshotshot

Be3 Dritte Ablautreihe

Die dritte Ablautreihe entsteht aus Verben, bei denen im Ur­ger­mani­schen auf den Wur­zel­vokal ein So­no­rant m, n, l, r und dahinter ein wei­terer be­liebi­ger Kon­sonant folgte.

Ablautschema der ersten Ablautreihe vom Urgermanischen bis zum modernen Deutschen Ursprungliches Ablautschema im Urgermanischen e-SC a-SC Ø-SC Ø-SC Sprachstufen: Urgermanisch, Althochdeutsch, Mittelhochdeutsch, Neuhochdeutsch Anfang Urgerm. Ahd. Mhd. Nhd. Heute Präsens bendana bintan binden binden Präteritum Singular band bant bant band Präteritum Plural bundum buntum bunden banden Partizip bundanaz gibuntan gebunden gebunden Heutiges Ablautschema im Neuhochdeutschen e|iSC aSC aSC u|oSC
3a: -iNC- binden, band, gebunden

Vor Nasal m, n (C1=N={m,n}≠C2) wird germanisches -e- zu -i- gehoben.

Präsens Präteritum Partizip
-i-nC -a-nC -u-nC
bindenbandgebunden
dingendanggedungen
dringendranggedrungen
findenfandgefunden
gelingengelanggelungen
klingenklanggeklungen
ringenranggerungen
schinden(schindete)geschunden
schlingenschlanggeschlungen
schwindenschwandgeschwunden
schwingenschwanggeschwungen
singensanggesungen
sinkensankgesunken
springenspranggesprungen
stinkenstankgestunken
trinkentrankgetrunken
windenwandgewunden
wringenwranggewrungen
zwingenzwanggezwungen

Unhistorisch (aber nicht falsch!) sind die bei­den fol­gen­den star­ken Par­tizi­pien:

Präsens Präteritum Partizip
(winkenwinkte)gewunken
(-wünschen-wünschte)verwunschen
3b: -iNN- rinnen, rann, geronnen

Vor -mm- und -nn- (C1=C2={m, n}) wird ger­mani­sches -e- zu -i- gehoben. Im Par­ti­zip ent­steht -o- durch a-Umlaut, weil die En­dung a ent­hält und da­zwi­schen ein Nasal steht. a-Umlaut
ahd. u>o| _ [m,n] a
u wird im Alt­hoch­deut­schen zu o, wenn in der fol­gen­den Silbe a folgt und da­zwi­schen ein Nasal.

Präsens Präteritum Partizip
-i-NN -a-NN -o-NN
beginnenbegannbegonnen
gewinnengewanngewonnen
rinnenranngeronnen
schwimmenschwammgeschwommen
sinnensanngesonnen
spinnenspanngesponnen

Unhistorisch ist das Verbum sinnen in allen For­men und Zu­sam­men­set­zun­gen:

Präsens Präteritum Partizip
sinnen (nach Rache)sanngesonnen
sich besinnenbesann sichbesonnen
ersinnenersannersonnen
nachsinnensann nachnachgesonnen
  wohlgesonnen

All diese Formen sind erst im Neu­hoch­deut­schen vom Sub­stan­tiv Sinn ab­ge­leitet und müß­ten nor­maler­weise schwach ge­beugt werden sinnte, ge­sinnt. Die star­ken For­men füh­ren ein älte­res Ver­bum sin­nen mit der Be­deu­tung gehen fort. Mehr dar­über im Tuto­rial über die Frage Stirbt die starke Kon­juga­tion aus? (Minute 36) sowie im Tuto­rial über die Wen­dung Sinn machen.

3c: -S-i-NN klimmen, klomm, geklommen

Wie 3b, aber dem Vokal geht der Sono­rant l vor­aus, der -a- im in neu­hoch­deut­scher Zeit zu -o- werden ließ (o-Drift).

Präsens Präteritum Partizip
-S-i-mm -S-o-mm -S-o-mm
glimmenglommgeglommen
klimmenklommgeklommen
(beklemmenbeklemmte)beklommen

Unhistorisch ist:

Präsens Präteritum Partizip
(beklemmen) beklommen

Beklommen ist das Partizip zum schwachen Verb klem­men und nicht von klim­men und müßte ei­gent­lich wie im Mit­tel­alter beklemmt lau­ten.

3d: -erC- werben, warb, geworben

Im Präsens bleibt germanisches -e- vor -r- erhalten. Es verhindert auch o-Drift im Prä­teri­tum.

Präsens Präteritum Partizip
-e-rCm -a-rC -o-rC
bergenbarggeborgen
berstenbarstgeborsten
sterbenstarbgestorben
verderbenverdarbverdorben
werbenwarbgeworben
werdenward⇢wurdegeworden
werfenwarfgeworfen
(verwirrenverwirrte)verworren
3e: -elC- gelten, galt, gegolten

Im Präsens bleibt ger­mani­sches -e- vor -l- erhalten.

Präsens Präteritum Partizip
C-e-lC C-a-lC C-o-lC
geltengaltgegolten
helfenhalfgeholfen
scheltenschaltgescholten
3f: -S-e-lC schmelzen, schmolz, geschmolzen

Wie 3e, aber dem Vokal geht ein So­no­rant m, n, l, r oder Halb­vokal j, w vor­aus, der -a- im Prätertum zu -o- wer­den ließ (o-Drift).

Präsens Präteritum Partizip
m/w-e-lC m/w-o-lC m/w-o-lC
melkenmolkgemolken
quellenquollgequollen
schmelzenschmolzgeschmolzen
schwellenschwollgeschwollen

Analog nach schwellen und quellen:

Präsens Präteritum Partizip
sch[a⇠e]llenschollgeschollen
3g: -S-e-chC flechten, flocht, geflochten

Das -ch- wird wie die So­no­ran­ten m, n, l, r be­han­delt. Flech­ten hat -o- im Prä­teri­tum, weil ihm ein So­no­rant vor­aus­geht, fech­ten ana­log dazu.

Präsens Präteritum Partizip
S-e-cht S-o-cht S-o-cht
fechtenfochtgefochten
flechtenflochtgeflochten
3h: -S-e-schC dreschen, drosch, gedroschen

Auch -sch- wird wie die So­no­ran­ten m, n, l, r be­han­delt. Dem Vo­kal geht zudem ein So­no­ran­ten vor­aus, der -a- im Prä­teri­tum zu -o- werden ließ o-Drift.

Präsens Präteritum Partizip
S-e-sch S-o-sch S-o-sch
erl[ö⇠e]schen erloscherloschen
dreschendroschgedroschen

Die Grundform von intrasitivem er­leschen das Feuer er­lischt, er­losch wur­de nach tran­siti­vem und schwa­chem löschen, lösch­te, ge­löscht er löscht(e) das Feuer zu er­lö­schen an­ge­gli­chen.

Präteritopräsentien der dritten Ablautreihe
Präsens Präteritum Partizip
-uSC- -aSC- [o/u-t-]
k[ö⇠u]nnenkannkonnte/gekonnt
d[ü⇠u]rfendarfdurfte/durften
Starke Verben der dritten Ablautreihe im Englischen
Präsens Präteritum Partizip
beginbeganbegun
clingclangclung
drinkdrankdrunk
flingflungflung
grindgroundground
ringrangrung
runranrun
singsangsung
sinksanksunk(en)
shrinkshrankshrunk
spinspanspun
stinkstankstunk
swimswamswum
swingswangswung
wringwrangwrung
winwonwon
bindboundbound
fightfoughtfought
findfoundfound
windwoundwound
burstburstburst

Be4 Vierte Ablautreihe

Die vierte Ablautreihe entsteht aus Verben, bei denen im Ur­germani­schen auf den Wur­zel­vokal ein Sono­rant m, n, l, r und da­hin­ter nur noch die En­dung folgte.

Ablautschema der vierten Ablautreihe vom Urgermanischen bis zum modernen Deutschen Ursprungliches Ablautschema im Urgermanischen e-S a-S ē-S Ø-S Sprachstufen: Urgermanisch, Althochdeutsch, Mittelhochdeutsch, Neuhochdeutsch Anfang Urgerm. Ahd. Mhd. Nhd. Heute Präsens nemana neman nemen nehmen Präteritum Singular nam nam nam nahm Präteritum Plural nēmum nāmum nāmen nahmen Partizip numanaz ginoman genomen genommen Heutiges Ablautschema im Neuhochdeutschen eS aS aS oS

Die Ablautstufe im Präteritum Plural zeigt statt Schwund nach dem Vor­bild von Ablaut­reihe fünf Deh­nung auf.

4a: -e-S nehmen, nahm, genommen
Präsens Präteritum Partizip
-e-S -a-S -o-S
e-Sa-So-S
befehlenbefahlbefohlen
empfehlenempfahlempfohlen
geb[ä⇠e]rengebargeboren
k[o⇠e]mmenkamgekommen
nehmennahmgenommen
stehlenstahlgestohlen
treffentrafgetroffen
4b schwören, schwor, geschworen

Wie 4a, aber dem Vokal geht bei schwören (früh­neu­hoch­deutsch noch schwe­ren) ein Halb­vokal j, w voraus, der -a- im Prä­teri­tum zu -o- werden ließ (o-Drift):

Präsens Präteritum Partizip
w-e-S w-o-S w-o-S
schwörenschworgeschworen
4c: -e-ch brechen, brach, gebrochen

Das nur im Hoch­deut­schen aus urgermanisch -k- ent­stan­dene -ch- wird wie ein So­no­rant m, n, l, r behandelt.

Präsens Präteritum Partizip
e-ch a-ch o-ch
brechenbrachgebrochen
sprechensprachgesprochen
stechenstachgestochen

Unhistorisch stark sind alle Verben mit -ck:

Präsens Präteritum Partizip
e-ck a-ck o-ck
steckenstakgesteckt
schreckenschrakgeschrocken

Beide Verben wurden im Mittel­alter von den schwa­chen Ver­ben stecken, stacte, ge­stecket sowie transitiv schrecken, schrachte, geschrecket und intransitiv schricken, schrich­te, ge­schricket ab­gelei­tet. Weil viele Ver­ben im Deut­schen als Pär­chen aus star­ken in­transi­tiven Ver­bum hing und schwa­chem tran­siti­ven Kau­sati­vum hängte vorkommen, wurde schricken, schrichte, ge­schricket zu starkem schrecken, schrak, ge­schrocken.

Bei stecken konnte sich die star­ke Beu­gung nicht durch­set­zen, bei er­schrecken, er­schrak, er­schrocken zwar schon, doch der Aus­druck wird da­ne­ben sehr oft re­fle­xiv kon­stru­iert, und in die­sem Fall wird wie­der schwach ge­beugt: du er­schreckst dich und nicht du *er­schrickst dich, er er­schreck­te sich und nicht *er­schrak sich.

Präteritopräsens der vierten Ablautreihe
Präsens Präteritum Partizip
-uS- -oS- [-o-t-]
s[o⇠u]llensoll/sollensollte/gesollt
Starke Verben der vierten Ablautreihe im Englischen
Präsens Präteritum Partizip
bearboreborn
swearsworesworn
shearshoreshorn
breakbrokebroken
speakspokespoken
stealstolestolen
stickstackstuck

Stick entspricht deutsch stechen.

Be5 Fünfte Ablautreihe

Die fünfte Ablautreihe entsteht aus Verben, bei denen im Ur­germani­schen auf den Wurzel­vokal ein Ob­stru­ent (O), konkret g, h, s, folgte.

Ablautschema der fünften Ablautreihe vom Urgermanischen bis zum modernen Deutschen Ursprungliches Ablautschema im Urgermanischen e-O a-O ē-O e-O Sprachstufen: Urgermanisch, Althochdeutsch, Mittelhochdeutsch, Neuhochdeutsch Anfang Urgerm. Ahd. Mhd. Nhd. Heute Präsens gebana geban geben geben Präteritum Singular gab gab gap gab Präteritum Plural gēbum gābum gāben gaben Partizip gebanaz gigeban gegeben gegeben Heutiges Ablautschema im Neuhochdeutschen eO aO aOS eC

Die Ablautstufe im Präteritum Plural zeigt statt Schwund Deh­nung zu -ē-. Das Par­ti­zip hat den­selben Ablaut wie das Prä­sens.

5a: -eC- geben, gab, gegeben

Das Standardparadigma zeigt keine Abweichung vom Prinzip:

Präsens Präteritum Partizip
e-C a-C e-C
gebengabgegeben
genesengenasgenesen
geschehengeschahgeschehen
lesenlasgelesen
sehensahgesehen
tretentratgetreten
verwegen
5b: -ess- essen, aß, gegessen

Das lange -ā- im Prä­teri­tum ist bei essen und fres­sen seit jeher lang, die an­deren ana­log dazu.

Präsens Präteritum Partizip
-e-ss -ā-ß -e-ss
essengegessen
fressenfraßgefressen
messenmaßgemessen
vergessenvergaßvergessen
5c: -(j/w)-eC- heben, hob, gehoben

Dem Vokal geht ein Halb­vokal j, w voraus, der -a- im Prä­teri­tum zu -o- werden ließ (o-Drift). Hierzu zählen alle Ab­kömm­linge von mittelhochdeutsch wegen.

Präsens Präteritum Partizip
j/w-e-C j/w-o-C j/w-o-C
abw[ä⇠e]genwog ababgewogen
bewegenbewogbewogen
erw[ä⇠e]generwogerwogen
gären (⇠jesen)gorgegoren
hebenhob gehoben
w[ä⇠e]genwoggewogen
w[ie⇠e]genwoggewogen

Heben analog dazu. Es ist eigentlich ein j-Prä­sens (früher heb­ben, he­ven, aus ger­ma­nisch hab-ja-, ety­molo­gisch ver­wandt zu la­tei­nisch capĭō ich fasse) mit den For­men ich hab, er­haben. Hob wurde wohl aus Ähn­lich­keit zu zu haben, ich habe zu hob, das Par­ti­zip er­ha­ben als Ad­jek­tiv lexi­kali­siert und ein neu­es ge­hoben ge­bil­det.

Bewegen ist nur stark, wenn eine Ein­wir­kung auf den Geist zur Be­schluß­fassung gemeint ist: Was hat dich dazu be­wogen? Aber: Der Mann be­wegte sich nicht.

5d bitten, bat, geboten

j-Prä­sentien der fünf­ten Ab­laut­reihe. Die Prä­sens­formen hat­ten ein j-Suffix, das im Deut­schen den voran­gehen­den Kon­sonan­ten be­ein­flußt und Umlaut e⇢i aus­gelöst hat: bid-ja- ⇢ bitten, sit-ja- ⇢ sitzen.

Präsens Präteritum Partizip
[i⇠e]C-j aC eC
bittenbatgebeten
liegenlaggelegen
sitzensaßgesessen
Präteritopräsens der fünften Ablautreihe
Präsens Präteritum Partizip
-uC- -aC- [-o-t-]
m[ö⇠u]genmagmochte/gemocht (nach 5a)
Starke Verben der fünften Ablautreihe im Englischen
Präsens Präteritum Partizip
comecamecome
eatateeaten
forgetforgotforgotten
getgotgot
givegavegiven
seesawseen
sew(sewed)sewn

Englische j-Präsentien:

Präsens Präteritum Partizip
bid bittenbidbeaten
lie liegenlaylain
sit sitzensat(e)sitten

Ba a-Reihe

Nicht alle urgermanischen Verben paßten in das Schema e = Gegenwart, a = Ver­gan­gen­heit. Einige Verben erbten aus selte­neren Prä­sens­for­men im Ur­indo­germani­schen ein ger­mani­sches Prä­sens mit -ă- (kurzes -ă-).

Ba6 Sechste Ablautreihe

Sie bilden die a-Reihe oder sechste Ablaut­reihe mit -ă- in der Gegen­wart und im Par­ti­zip Prä­teri­tum sowie -ō- (wird neu­hoch­deutsch -u-) in bei­den Ver­gan­gen­heits­for­men: fah­ren, fuhr, ge­fah­ren, schla­gen, schlug, ge­schla­gen.

Ablautschema der sechsten Ablautreihe vom Urgermanischen bis zum modernen Deutschen Ursprungliches Ablautschema im Urgermanischen a-O ō-O a-O Sprachstufen: Urgermanisch, Althochdeutsch, Mittelhochdeutsch, Neuhochdeutsch Anfang Urgerm. Ahd. Mhd. Nhd. Heute Präsens farana faran varn fahren Präteritum fōr, fōrum fuor, fuorum vuor, vuoren fuhr, fuhren Partizip faranaz gifaran gevarn gefahren Heutiges Ablautschema im Neuhochdeutschen a-O u-O a-O

Die Wurzelsilbe der Verben der sechsten Ablaut­klas­se war im Ur­germani­schen leicht, hatte also nur kur­zes -ă- und schloß auf einen ein­fachen Kon­sonan­ten. Ur­sprüng­lich schwere a-Wurzeln (-ā- oder -ăCC-) ge­hören in Ablautreihe sieben.

Da die Vokal­län­gen im Neu­hoch­deut­schen auf ganz ande­ren Kri­terien beru­hen als im Mit­tel­alter, ist die Be­urtei­lung an heu­tigen For­men schwie­rig: schla­gen ge­hört in Reihe 6, schla­fen in Reihe 7.

6a: -a- fahren, fuhr, gefahren

Die sechste Ablautreihe hat nur ein Paradigma.

Präsens Präteritum Partizip
-a- -u- -a-
fahrenfuhrgefahren
grabengrubgegraben
ladenludgeladen
schlagenschluggeschlagen
tragentruggetragen
waschenwuschgewaschen

Bei stehen sind im Neu­hoch­deut­schen zwei oder gar drei Verben zu­sam­men­gewach­sen. Das Prä­sens stammt von den Wur­zel­ver­ben stān, stēn und hat daher kein -n-, die ande­ren For­men vom län­geren stan­dan:

Präsens Präteritum Partizip
stehenstandgestanden

Mahlen hat das starke Parti­zip er­hal­ten, das star­ke Prä­teri­tum muhl (vgl. Müller, Mühle) aber auf­gege­ben.

Präsens Präteritum Partizip
mahlen(mahlte)gemahlen

Das Nasalpräsens backen (germa­nisch bak-na-) hat sich im Deut­schen mit dem nor­malen bak-a- ver­mischt. Ausführlich wird backen im Tutorial Sterben die starken Verben aus? behandelt.

Präsens Präteritum Partizip
backenbuk/backtegebacken
Präteritopräsens der sechsten Ablautreihe
Präsens Präteritum Partizip
-uC- -uC- [-u-t-]
müssenmussgemusst
Starke Verben der sechsten Ablautreihe im Englischen

In den Partizipien wird -a- in un­mit­tel­barer Nähe zu einem Sono­ran­ten stan­den ⇢ ston­den ⇢ stooden ⇢⇢ stood oder Halb­vokal swaren ⇢ sworn, woken ⇢ waken zu -o-:

Präsens Präteritum Partizip
bake(baked)baken (-ed)
shakeshookshaken
standstoodstood (« standen)
swearsworesworn (« swaren)
taketooktaken
wakewokewoken (« waken)

Mittelenglisch -ōg- ⇢ neuenglisch -ew:

Präsens Präteritum Partizip
draw (⇠dragen)drew (⇠drōg)drawn

B-red Reduplizierende Verben

Die siebte Ablautreihe besteht aus Verben, die im Ur­germani­schen kei­nen Ablaut bilden konnten. Der Wur­zel­vokal war nicht nur un­gün­stig ver­färbt wie in der sech­sten Reihe, sonst auch noch ge­dehnt, zum Bei­spiel ger­manisch slēp.

Diese Verben konnten aber auch nicht schwach werden, weil ihnen le­xika­lisch die Vor­aus­set­zung für die lexikalisch ab­leiten­den Suf­fixe der schwachen Verben fehlten.

Deswegen ließ man den Ablaut zunächst blei­ben und ver­zich­tete darauf, die aus dem ur­indo­ger­mani­schen Per­fekt, aus dem die ger­mani­sche Ver­gan­gen­heit ererbt wurde, stam­men­de Re­dupli­kations­silbe ab­fal­len zu las­sen: slēp- (Prä­sens) versus se-slēp. Bei der Re­dupli­ka­tion wird der Kon­so­nant im Anlaut ver­dop­pelt und ein e da­zwischen­gesetzt.

Diese Bil­dung hatten zunächst alle starken Verben, aber of­fen­kun­dig empfand man den Ab­laut als bes­seres Tempus­zei­chen und ließ die Re­dupli­kations­silbe über­all fal­len, wo es mög­lich war. Der Rest lan­dete in Reihe sieben.

B7 Siebte Ablautreihe

Funktionierende Reduplikation findet sich allerdings nur im Gotischen, in den anderen ger­mani­schen Spra­chen, die erst einige Jahr­hun­derte später schrift­lich belegt sind, ist die Re­dupli­ka­tions­silbe bereits so stark mit der Wur­zel ver­schmol­zen, daß sich doch noch ein Ablaut ergab.

Das Präteritum von ger­manisch falla- lautete so feball (f und b stehen in gram­mati­schem Wech­sel). Dar­aus schrumpfte früh­deutsch 2ll fiel mit so­genann­tem ē2, das anders (zwei­hebig) ge­spro­chen wurde als das aus dem Ger­mani­schen ererbte lange ē, das man als ē1 be­zeich­net. Die beiden Vo­kale ent­wickeln sich auch anders weiter:

  • Präsens: Vordeutsch slē1p-ahd. slāfanschlafen
  • Präteritum: Vordeutsch slē2p-ahd. sliafschlief

In der siebten Ablautreihe fanden sich zu Beginn nicht nur Verben mit ē1, son­dern auch mit ande­ren nicht ab­laut­fähigen Vokalen oder Struk­turen wie -ō- oder -a-CC-, woraus sich ver­schie­dene Para­digmen ergeben.

Alle Strukturen hatten eine schwere Wur­zel­silbe (lan­ger Vokal plus Kon­so­nant oder kur­zer Vokal mit zwei Kon­sonan­ten), die nicht zu Reihe 6 paßte:

  • 7a: -a-CC- (fallen)
  • 7b: -au-C- (laufen)
  • 7c: -ō-C- (rōpan ⇢ rufen)
  • 7d: -a-u-C- (stauta ⇢ stoßen)
  • 7e: -a-ng- (fangen)
  • 7f: -a-i-C- (haitan ⇢ heißen)
7a: -a-CC- schlafen, schlief, geschlafen

Verben mit a-Wurzel, aber im Gegensatz zu 6 war die Wurzel ursprünglich schwer (der Vokal ist lang oder ihm folgen zwei Konsonanten).

Präsens Präteritum Partizip
-a- -ie- -a-
blasenbliesgeblasen
bratenbrietgebraten
fallenfielgefallen
geratengerietgeraten
haltenhieltgehalten
lassenließgelassen
ratenrietgeraten
schlafenschliefgeschlafen

Alle Verben mit dem Schema a + So­no­rant + Ob­stru­ent wur­den mit Aus­nah­me von hal­ten, hielt, ge­hal­ten schwach:

  • bien > bannte
  • fielt > faltete
  • schielt > schaltete
  • sielz > salzte
  • spielt > spaltete
  • spien > spannte
  • wiel > wallte
  • wielg > (walgte †)
  • wielk > walkte (schlagen)

Übrig sind noch einige starke Partizipien, die aber nur dia­lek­tal ver­wen­det wer­den:

Präsens Präteritum Partizip
falten(faltete)gefalten(/-t)
schalten(schaltete)geschalten(/-t)
salzen(salzte)gesalzen(/-t)
spalten(spaltete)gespalten(/-t)
7b: -au-C- laufen, lief, gelaufen
Präsens Präteritum Partizip
-au- -ie- -au-
hauenhiebgehauen
laufenliefgelaufen
7c: -ō-C- rufen, rief, gerufen

Nur rufen aus germanisch hrōpa-.

Präsens Präteritum Partizip
-u- -ie- -u-
rufenriefgerufen
7d: -a-u-C- stoßen, stieß, gestoßen

Nur stoßen aus germanisch stauta-.

Präsens Präteritum Partizip
-o- -ie- -o-
stoßenstießgestoßen
7e: -a-ng- fangen, fing, gefangen

Vor -ng- wird -ie- im Präteritum zu -i- gekürzt. Gehen ent­steht durch Ver­mi­schung aus gan­gan und gān, hän­gen (hing) wird aus hā­han an schwa­chen hän­gen (häng­te) an­gegli­chen.

Präsens Präteritum Partizip
-a-ng -i-ng -a-ng
empfangenempfingempfangen
fangenfinggefangen
gehenginggegangen
hängenhinggehangen
7f: -a-i-C- heißen, hieß, geheißen

Nur heißen aus germanisch haita-.

Präsens Präteritum Partizip
-ei- -ie- -ei-
heißenhießgeheißen
Starke Verben der siebten Ablautreihe im Englischen
Präsens Präteritum Partizip
blow (⇠ blowen⇠ blā­wan)blew (⇠ble[a|o]w)blown (⇠blo­wen)
growgrewgrown
hewhewhewn
knowknewknown
sowsewsown
throwthrewthrown
hold (⇠ hōl­den ⇠ heal­dan)held (⇠ hēld ⇠ hēold)held (⇠ hōl­den ⇠ heal­den)
beat (⇠ bēten ⇠ bēa­tan)beat (⇠ bēt)beaten (⇠ bēten)
go(went)gone
letlet(let)en
shed (⇠ scādan ≈ dt. schaden)shed (⇠ sc(e)ād)shed (⇠ scāden)
hang (⇠ hangen)h[u⇠e/i]ng (⇠ heng) h[u⇠a]ng (⇠ h[o|a]n­gen)
fall (⇠ fallen)fell (⇠ fell)fallen (⇠ fal­len)

C Liste der starken Verben mit Stammformen

Aufgeführt sind nur die nichtzusammengesetzen Formen. Verschleißen finden Sie unter schleißen.

InfinitivPdgTranslationPräteritumPartizipImperativ2. Sg. Präs.Konjunktiv 1Konjunktiv 2
abwägen5cbalance in mind, measure (fig.), weigh sthwog ababgewogenabwäg(e)!du wägst abdaß ich abwägeals ob ich abwöge
backen6abakebuk oder backtegebackenback(e)!du bäckst (stark), du backst (schwach)daß ich backeals ob ich büke
befehlen4aorder, commandbefahlbefohlenbefiehl!du befiehlstdaß ich befehleals ob ich beföhle
beginnen3bbeginbegannbegonnenbeginn(e)!du beginnstdaß ich beginneals ob ich begänne
beißen1bbitebiss (klassische Rechtschreibung: biß)gebissenbeiß(e)!du beißtdaß ich beißeals ob ich bisse
bergen3dhold sth, rescue so. out of sthbarggeborgenberg(e)!du bergstdaß ich bergeals ob ich bärge
bersten3dburstbarstgeborstenberst(e)!du berstestdaß ich bersteals ob ich bärste
bewegen5ccause a decisionDas bewog mich dazu. Aber: Der Hund hat sich nicht bewegt. Er bewegte das Publikum.Was hat dich dazu bewogen?(unüblich)(unüblich)daß es mich dazu bewegeals ob es mich dazu bewöge
biegen2abend, bow, curveboggebogenbieg(e)!du biegstdaß ich biegeals ob ich böge
bieten2aoffer so. sthbotgebotenbiet(e)!du bietestdaß ich bieteals ob ich böte
binden3abindbandgebundenbind(e)!du bindestdaß ich bindeals ob ich bände
bitten5dbidbatgebetenbitte!du bittestdaß ich bitteals ob ich bäte
blasen7ablowbliesgeblasenblas(e)!du blästdaß ich blaseals ob ich bliese
bleiben1astay, keep on doing sthbliebgebliebenbleib(e)!du bleibstdaß ich bleibeals ob ich bliebe
bleichen1bbleachblichgeblichenbleich(e)!du bleichstdaß ich bleicheals ob ich bliche
braten7afry, roast, bake (in a pan)brietgebratenbrat(e)!du brätstdaß ich brateals ob ich briete
brechen4cbreakbrachgebrochenbrich!du brichstdaß ich brecheals ob ich bräche
dingen3ahire so. (old-fashioned)danggedungending(e)!du dingstdaß ich dingeals ob ich dänge
dreschen3hthreshdroschgedroschendrisch!du drischstdaß ich drescheals ob ich drösche
dringen3aintrude (people and things like water)dranggedrungendring(e)!du dringstdaß ich dringeals ob ich dränge
empfangen7ereceiveempfingempfangenempfang(e)!du empfängstdaß ich empfangeals ob ich empfinge
empfehlen4arecommand, adviseempfahlempfohlenempfiehl!du empfiehlstdaß ich empfehleals ob ich empföhle
erlöschen3hexpire, go out (fire)erloscherloschenerlisch!du erlöschstdaß ich erlöscheals ob ich erlösche
erwägen5cconsidererwogerwogenerwäg(e)!du erwägstdaß ich erwägeals ob ich erwöge
essen5beat (by humans, for animals und fig. see fressen)gegesseniss! (Klassische Rechtschreibung: iß!)du isst (Klassische Rechtschreibung: ißt)daß ich esseals ob ich äße
fahren6adrive, travel (by car, bicycle, bike, train and ballon, but not plane)fuhrgefahrenfahr!du fährstdaß ich fahreals ob ich führe
fallen7afall, fall down, decrease of temperaturefielgefallenfall(e)!du fällstdaß ich falleals ob ich fiele
fangen7ecatchfinggefangenfang(e)!du fängstdaß ich fangeals ob ich finge
fechten3gfence (not fight in general)fochtgefochtenficht!du fichtstdaß ich fechteals ob ich föchte
finden3afindfandgefundenfind(e)!du findestdaß ich findeals ob ich fände
flechten3gbraidflochtgeflochtenflicht!du flichtstdaß ich flechteals ob ich flöchte
fliegen2aflyfloggeflogenflieg(e)!du fliegstdaß ich fliegeals ob ich flöge
fliehen2aescape, fleeflohgeflohenflieh(e)!du fliehstdaß ich flieheals ob ich flöhe
fließen2afloatflossgeflossenfließ(e)!du fließtdaß ich fließeals ob ich flösse
fressen5beat (by animals, also fig. by things, by humans only in disgusting manner), devourfraßgefressenfriss!du frisstdaß ich fresseals ob ich fräße
frieren2afreezefrorgefrorenfrier(e)!du frierstdaß ich friereals ob ich fröre
gären5cfermentgorgegorendu gärstdaß ich gäreals ob ich göre
gebären4agive birth (also fig.)gebargeborengeb[ier|är(e)]!du geb[ie|ä]rstdaß ich gebäreals ob ich gebäre
geben5agivegabgegebengib!du gibstdaß ich gebeals ob ich gäbe
gedeihen1aprosper, growgediehgediehengedeih(e)!du gedeihstdaß ich gedeiheals ob ich gediehe
gehen7egoginggegangengeh(e)!du gehstdaß ich geheals ob ich ginge
gelingen3asucceed (impersonal)gelanggelungengeling(e)!es gelingstdaß es gelingeals ob es gelänge
gelten3ebe valid, apply, hold for so. or sthgaltgegoltengilt!du giltstdaß ich gelteals ob ich gölte
genesen5arecover, convalescegenasgenesengenes(e)!du genestdaß ich geneseals ob ich genäse
genießen2aenjoygenossgenossengenieß(e)!du genießtdaß ich genießeals ob ich genösse
geraten7aget into sthgerietgeratengerat(e)!du gerätstdaß ich gerateals ob ich geriete
geschehen5ahappengeschahgeschehengeschieh!du geschiehstdaß ich gescheheals ob ich geschähe
gewinnen3bwingewanngewonnengewinn(e)!du gewinnstdaß ich gewinneals ob ich gewönne
gießen2apourgossgegossengieß(e)!du gießtdaß ich gießeals ob ich gösse
gleichen1bequalglichgeglichengleich(e)!du gleichstdaß ich gleicheals ob ich gliche
gleiten1bglideglittgeglittengleit(e)!du gleitestdaß ich gleiteals ob ich glitte
glimmen3cglow, smolderglommgeglommenglimm(e)!du glimmstdaß ich glimmeals ob ich glömme
graben6adiggrubgegrabengrab(e)!du gräbstdaß ich grabeals ob ich grübe
greifen1bgrip, grab, reach forgriffgegriffengreif(e)!du greifstdaß ich greifeals ob ich griffe
halten7ahold, keep sth, stophieltgehaltenhalt(e)!du hältstdaß ich halteals ob ich hielte
hängen7ehang (intr.)Das Bild hing an der Wand. Aber: Er hängte das Bild an die Wand.Das Bild hat an der Wand gehangen. Aber: Er hat das Bild an die Wand gehängt.häng(e)!du hängstdaß ich hängeals ob ich hinge
hauen7bbeathiebgehauenhau(e)!du haustdaß ich haueals ob ich hiebe
heben5craise, lifthob gehobenheb(e)!du hebstdaß ich hebeals ob ich höbe
heißen7fbe called, call so. sthhießgeheißenheiß(e)!du heißtdaß ich heißeals ob ich hieße
helfen3ehelphalfgeholfenhilf!du hilfstdaß ich helfeals ob ich hülfe
klimmen3cclimb (general expression is klettern)klommgeklommenklimm(e)!du klimmstdaß ich klimmeals ob ich klömme
klingen3asoundklanggeklungenkling(e)!du klingstdaß ich klingeals ob ich klänge
kneifen1bnip, pinch; chicken outkniffgekniffenkneif(e)!du kneifstdaß ich kneifeals ob ich kniffe
kommen4acomekamgekommenkomm!du kommstdaß ich kommeals ob ich käme
kriechen2acrawl on all fourskrochgekrochenkriech(e)!du kriechstdaß ich kriecheals ob ich kröche
küren2achoose (infinitive not used anymore)erkorerkorenküre!du kürstdaß ich küreals ob ich erköre
laden6aloadludgeladenlad(e)!du lädstdaß ich ladeals ob ich lüde
lassen7alet, give upließgelassenlass!du lässtdaß ich lasseals ob ich ließe
laufen7brunliefgelaufenlauf(e)!du läufstdaß ich laufeals ob ich liefe
leiden1bsufferlittgelittenleid(e)!du leidestdaß ich leideals ob ich litte
leihen1alendliehgeliehenleih(e)!du leihstdaß ich leiheals ob ich liehe
lesen5areadlasgelesenlies!du liestdaß ich leseals ob ich läse
liegen5dlie (on sth)laggelegenlieg!du liegstdaß ich liegeals ob ich läge
lügen2blie (to tell a lie)loggelogenlüg(e)!du lügstdaß ich lügeals ob ich löge
meiden1aavoidmiedgemiedenmeid(e)!du meidestdaß ich meideals ob ich miede
melken3fmilkmolk (auch: melkte)gemolkenmelk(e)!du melkstdaß ich melkeals ob ich mölke
messen5bmessuremaßgemessenmiss!du misstdaß ich messeals ob ich mäße
nehmen4atakenahmgenommennimm!du nimmstdaß ich nehmeals ob ich nähme
pfeifen1bwhistlepfiffgepfiffenpfeif(e)!du pfeifstdaß ich pfeifeals ob ich pfiffe
preisen1apraisepriesgepriesenpreis(e)!du preistdaß ich preiseals ob ich priese
quellen3fspring, soak, gushquollgequollenquill!du quillstdaß ich quelleals ob ich quölle
raten7aguessrietgeratenrat(e)!du rätstdaß ich rateals ob ich riete
reiben1arub, reamriebgeriebenreib(e)!du reibstdaß ich reibeals ob ich riebe
reißen1bcrack, burst, drag (violently for ziehen ‚pull‘)rissgerissenreiß(e)!du reißtdaß ich reißeals ob ich risse
reiten1bride on a horse (sometimes sexually)rittgerittenreit(e)!du reitestdaß ich reiteals ob ich ritte
riechen2asmell of sth, smell sthrochgerochenriech(e)!du riechstdaß ich riecheals ob ich röche
ringen3awrestle, struggleranggerungenring(e)!du ringstdaß ich ringeals ob ich ränge
rinnen3bflow, leakranngeronnenrinn(e)!du rinnstdaß ich rinneals ob ich ränne
rufen7ccall, shoutriefgerufenruf(e)!du rufstdaß ich rufeals ob ich riefe
saufen2cbooze (people), drink (pets)soffgesoffensauf(e)!du saufstdaß ich saufeals ob ich söffe
saugen2csucksoggesogensaug(e)!du saugstdaß ich saugeals ob ich söge
schaffen6acreate sthEr schuf ein Kunstwerk. Aber: Er schaffte es ins Ziel.geschaffenschaff(e)!du schaffstdaß ich schaffeals ob ich schüfe
schallen3fsoundschollgeschollenschall!du schallstdaß ich schalleals ob ich schölle
scheiden1adivide, divorceschiedgeschiedenscheid(e)!du scheidestdaß ich scheideals ob ich schiede
scheinen1ashine, seem to beschiengeschienenschein(e)!du scheinstdaß ich scheineals ob ich schiene
scheißen1bshit (coll.)schissgeschissenscheiß(e)!du scheißtdaß ich scheißeals ob ich schisse
schelten3elay into so., scold so.schaltgescholtenschilt!du schiltstdaß ich schelteals ob ich schölte
schieben2apushschobgeschobenschieb(e)!du schiebstdaß ich schiebeals ob ich schöbe
schießen2ashootschossgeschossenschieß(e)!du schießtdaß ich schießeals ob ich schösse
schinden3amaltreat peopleschund oder schindetegeschundenschind(e)!du schindestdaß ich schindeals ob ich schindete
schlafen7asleepschliefgeschlafenschlaf(e)!du schläfstdaß ich schlafeals ob ich schliefe
schlagen6abeat, slayschluggeschlagenschlag(e)!du schlägstdaß ich schlageals ob ich schlüge
schleichen1bsneak, slinkschlichgeschlichenschleich(e)!du schleichstdaß ich schleicheals ob ich schliche
schleifen1bdrag, abradeschliffgeschliffenschleif(e)!du schleifstdaß ich schleifeals ob ich schliffe
schleißen1b(used in verschleißen ‚abrade‘)schlissgeschlissenschleiß(e)!du schleißtdaß ich schleißeals ob ich schlisse
schließen2aclose, lockschlossgeschlossenschließ(e)!du schließtdaß ich schließeals ob ich schlösse
schlingen3aentwine aroundschlanggeschlungenschling(e)!du schlingstdaß ich schlingeals ob ich schlänge
schmeißen1bthrow (only coll.)schmissgeschmissenschmeiß(e)!du schmeißtdaß ich schmeißeals ob ich schmisse
schmelzen3fsmelt (intr. only, tr. meaning inflecting weak)Der Schnee schmolz. Aber: Die Sonne schmelzte den Schnee.Der Schneemann ist geschmolzen.schmilz!du schmilzstdaß ich schmelzeals ob ich schmölze
schneiden1bcutschnittgeschnittenschneid(e)!du schneidestdaß ich schneideals ob ich schnitte
schrecken4c (Die starke Beugung ist unhistorisch für ehemals schwaches intransitives schricken, ich schrickete gegenüber schwachem intransitiven schrecken, ich schrakte)be frightend, scare (only intr.)schrakgeschrockenschrick!du schrickstdaß ich schreckeals ob ich schräke
schreiben1awriteschriebgeschriebenschreib(e)!du schreibstdaß ich schreibeals ob ich schriebe
schreien1ashoutschriegeschrie(e)nschrei(e)!du schreistdaß ich schreieals ob ich schriee
schreiten1bpace up, stalk around, go forwardsschrittgeschrittenschreit(e)!du schreitestdaß ich schreiteals ob ich schritte
schweigen1ato be silent (opp. of sprechen)schwieggeschwiegenschweig(e)!du schweigstdaß ich schweigeals ob ich schwiege
schwellen3fswellschwollgeschwollenschwill!du schwillstdaß ich schwelleals ob ich schwölle
schwimmen3bswimschwammgeschwommenschwimm(e)!du schwimmstdaß ich schwimmeals ob ich schwömme (auch: schwämme)
schwinden3adescrease, diminish (verschwinden ‚vanish‘)schwandgeschwundenschwind(e)!du schwindestdaß ich schwindeals ob ich schwände
schwingen3aswingschwanggeschwungenschwing(e)!du schwingstdaß ich schwingeals ob ich schwänge
schwören4bswearschworgeschworenschwör(e)!du schwörstdaß ich schwöreals ob ich schw[ü|ö]re
sehen5aseesahgesehensieh!du siehstdaß ich seheals ob ich sähe
sieden2aboil, bubble upsottgesottensied(e)!du siedestdaß ich siedeals ob ich sötte
singen3asingsanggesungensing(e)!du singstdaß ich singeals ob ich sänge
sinken3asinksankgesunkensink(e)!du sinkstdaß ich sinkeals ob ich sänke
sinnen3b think (fig. of orig. walk, in compounds only)Alle Formen und Zusammensetzungen sind unhistorisch, eigentlich junge Ableitung von Sinn, die altes sinnen in der Bedeutung gehen fortführt.
sann
gesonnensinn(e)!du sinnstdaß ich sinneals ob ich sönne
sitzen5dsitsaßgesessensitz!du sitztdaß ich sitzeals ob ich säße
speien1avomitspiegespie(e)nspei(e)!du speistdaß ich speieals ob ich spiee
spinnen3bspin, cocoon; be nutsspanngesponnenspinn(e)!du spinnstdaß ich spinneals ob ich spönne
spleißen1bsplit (only special occasions, like hair)splissgesplissenspleiß(e)!du spleißtdaß ich spleißeals ob ich splisse
sprechen4cspeaksprachgesprochensprich!du sprichstdaß ich sprecheals ob ich spräche
sprießen2aprosper, grow (flowers and rumours)sprossgesprossensprieß(e)!du sprießtdaß ich sprießeals ob ich sprösse
springen3ajumpspranggesprungenspring(e)!du springstdaß ich springeals ob ich spränge
stechen4cprick, stingstachgestochenstich!du stichstdaß ich stecheals ob ich stäche
stecken4c
Stecken ist eigentlich das schwach gebeugte Kausativum zu stechen mit der Bedeutung stechen machen ⇢ reinstecken.
stick, put sth into sth stak (nur intransitiv und unhistorisch für ursprüngliches und heute noch verbreitetes stecktegesteckt – Das Präsens niemals stark: *gestecken. In früherer Zeit im Niederdeutschen manchmal: gestochen.steck!du steckst – Das Präsens niemals stark: *du stickst, er/sie/es stickt.daß ich steckeals ob ich stäke (besser ist: steckte)
stehlen4astealstahlgestohlenstiehl!du stiehlstdaß ich stehleals ob ich stöhle
steigen1aincrease, climbstieggestiegensteig(e)!du steigstdaß ich steigeals ob ich stiege
sterben3ddiestarbgestorbensterb(e)!du sterbstdaß ich sterbeals ob ich stürbe
stieben2adiserse (only people or snowflakes moving in diff. directions)stobgestobenstieb(e)!du stiebstdaß ich stiebeals ob ich stöbe
stinken3astinkstankgestunkenstink(e)!du stinkstdaß ich stinkeals ob ich stänke
stoßen7dpush, tossstießgestoßenstoß(e)!du stößtdaß ich stoßeals ob ich stieße
streichen1bcolor, cancelstrichgestrichenstreich(e)!du streichstdaß ich streicheals ob ich striche
streiten1bquarrel, arguestrittgestrittenstreit(e)!du streitestdaß ich streiteals ob ich stritte
tragen6acarry, beartruggetragentrag(e)!du trägstdaß ich trageals ob ich trüge
treffen4ahit, score, meettrafgetroffentriff!du triffstdaß ich treffeals ob ich träfe
treiben1apush sth forward, drift, be activetriebgetriebentreib(e)!du treibstdaß ich treibeals ob ich triebe
treten5astep, kicktratgetretentritt!du trittstdaß ich treteals ob ich träte
triefen2aooze with sth, driptroff (triefte)getriefttrief(e)!du triefstdaß ich triefeals ob ich tröffe
trinken3adrinktrankgetrunkentrink(e)!du trinkstdaß ich trinkeals ob ich tränke
trügen2bdeceive, be deceptivetroggetrogentrüg(e)!du trügstdaß ich trügeals ob ich tröge
verderben3ddecay, demoraliseverdarbverdorbenverdirb!du verdirbstdaß ich verderbeals ob ich verdürbe
verdrießen2aannoy so.verdrossverdrossenverdrieß(e)!du verdrießtdaß ich verdrießeals ob ich verdrösse
vergessen5bforgetvergaßvergessenvergiss!du vergisstdaß ich vergesseals ob ich vergäße
verlieren2alose so. or sthverlorverlorenverlier(e)!du verlierstdaß ich verliereals ob ich verlöre
wägen5cconsiderwoggewogenwäg(e)!du wägstdaß ich wägeals ob ich wöge
waschen6awashwuschgewaschenwasch(e)!du wäschstdaß ich wascheals ob ich wüsche
weichen1bmove back, back offwichgewichenweich(e)!du weichstdaß ich weicheals ob ich wiche
weisen1aallude, point sthwiesgewiesenweis(e)!du weistdaß ich weiseals ob ich wiese
werben3dadvertisewarbgeworbenwirb!du wirbstdaß ich werbeals ob ich würbe
werden3dbecomewurde (aus ward)gewordenwerde!du wirstdaß ich werdeals ob ich würde
werfen3dthrowwarfgeworfenwirf!du wirfstdaß ich werfeals ob ich würfe
wiegen5cweighwoggewogenwieg(e)!du wiegstdaß ich wiegeals ob ich wöge
winden3atwist, windwandgewundenwind(e)!du windestdaß ich windeals ob ich wände
wringen3awring, mangle sthwranggewrungenwring(e)!du wringstdaß ich wringeals ob ich wränge
zeihen1ato call so. sth (mostly in verzeihen ‚forgive‘)ziehgeziehenzeih(e)!du zeihstdaß ich zeiheals ob ich ziehe
ziehen2apullzoggezogenzieh(e)!du ziehstdaß ich zieheals ob ich zöge
zwingen3aforce so. doing sthzwanggezwungenzwing(e)!du zwingstdaß ich zwingeals ob ich zwänge