Die deutsche Interjektion
o(h)
hat ihren Ursprung im Urindogermanischen. Sie ist in allen indogermanischen Sprachen fortgeführt oder neuerlich entsprungen und wird heute von über zwei Milliarden Menschen verwendet. Dagegen könnte selbst eine Allianz aller Facebookuser und Chinesen einpacken.
Im Deutschen findet sie sich in zwei Schreibungen, und damit haben heute viele jüngere Menschen ihre liebe Müh:
Oh ja, ich weiß mit Flops umzugehen, ich hatte viele davon! Süddeutsche Zeitung
Wer gern Bücher liest, wird die Schreibung auf Anhieb als Amerikanismus Oh yeah!
identifizieren. Im Englischen ist die Interjektion ürigens recht jung und aus dem Lateinischen entlehnt. Bis ins 16. Jahrhundert ist sie dort ungebräuchlich. Das Englische kennt zwar auch die Schreibung o
, aber sie gilt heute als archaisch und findet sich nur noch in althergebrachten Wendungen wie O Lord!
. Die Schreibung oh
hat sich durchgesetzt.
Etwas weiter reicht das deutsche o
in die Vergangenheit zurück. Im frühen Mittelalter tritt es nur sporadisch als au
auf, was aber an den Textsorten der althochdeutschen Periode liegt sowie an ihrer Anlehnung ans Lateinische, wo der Vokativ durch eine Endung gekennzeichnet wird: Domine!
O Herr!
.
Im Hochmittelalter wird ō
dann schon eifrig verwendet. Es markiert zunächst Anrufungen und Vokative: ō Maria!
Maria, den lieben Gott oder einen Heiligen der Wahl rief man gern in Momenten der Überraschung an, woraus dann das alleinstehende oh
entstand. In der klassischen Neuzeit machten sich Leute wie Goethe und Schiller dann richtig zum Affen, indem sie jeden Ausruf mit o
einleiteten: O sie ist werth zu sein geliebt!
Es gilt heute folgende Konvention: Die Interjektion wird stets als eigenes Wort geschrieben und ohne h
, wenn darauf ein weiteres Wort folgt, das mit o
éinen Ausdruck bildet:
- O je!
- O weh!
- O ja!
- O nein!
- O Gott!
- O weh!
Zusammenschreibung findet sich nur dialektal, zum Beispiel im Bairischen: Oha!
Dieser Ausdruck ist reines Klangbild und der Ausruf, mit dem man früher Pferde zum Stehen brachte. Und so benutzt der Bayer es heute noch, wenn seinem Gesprächspartner beim Sprechen die Pferde durchgehen. Der andere wird damit verwarnt und weiß, daß der Bayer als nächstes Geh weida
sagen wird, wenn er weiter so gschert daherred.
O
wird vorausgestellt und ist proklitisch: Die Betonung liegt also auf dem nächsten Wort. Es spielt dabei auch keine Rolle, ob das Folgende in unseren Ohren und Augen noch irgendeinen Sinn ergibt: O je
ist eigentlich nur eine Verkürzung aus o Jesu
und o jemine
aus o Jesu domine
. In O weh
steckt tatsächlich das Adjektiv weh
, wie in es tut mir weh
. Wir schreiben es heute auch so, obwohl uns der Sinn verborgen ist. Das war wohl schon im Mittelalter so. Damals schrieb man schon owē!
und lautmalerisch-owī!
Die Schreibungen oje, ojemine, owe
sind aber nicht falsch.
O Tannenbaum!richtig schreibt.
Im Gegensatz zum Englischen schreibt man o
nur mit h
, wenn es einen ganzen Satz bildet. In diesem Fall folgt unmittelbar ein Satzzeichen: entweder ein Komma oder ein Ausrufezeichen:
- Oh, damit habe ich nicht gerechnet!
- Oh! Aber wer macht denn sowas?
Hier ist Vorsicht geboten. Was auf die Schnelle wie ein Satzgefüge aussieht, ist manchmal keines. Das o
kann sich auch auf eine längere Phrase be;ziehen und macht sie zu einem Ausruf. Heute tritt das noch auf, wenn auf o
das Wörtchen wie
folgt.
- Noch in gebrauch:
O wie schön!
- Veraltet:
O könnte man von seinem Tode sprechen!
Wenn man hier patzt, ist das aber nicht so schlimm. Man kann es seinen Lesern noch als gewollte Zäsur verkaufen – jedenfalls solchen, die nicht wissen, daß Kommas keine Zäsur markieren.
- Ruf! (Päuschen für Peitschenknall) Mich! (Päuschen für Peitschenknall) An! (Päuschen für Peitschenknall)
- Oh! (Päuschen zum Nachdenken) Wie schön! ⇢ Oh, wie schön!
Diese Konvention wird heute in gut gepflegten Texten streng beachtet. Dafür gibt es einen guten Grund: In Wendungen wie O weh!
oder O nein!
ist o
zwar formal ein eigenes Wort, aber es bildet mit dem nachfolgenden eine feste Wendung, und das würde ohne vorausgehendes o
etwas anderes bedeuten. Deswegen behandelt man die Wendung als Lexikalisierung, als éin Wort, von dem o
nur die erste Silbe bildet: /o:we:/. Diese Silbe ist offen, o
wird daher nach den Ausspracheregeln des Deutschen lang gesprochen, wie auch in Odol, oder, Obelisk
.
Steht o
alleine da, als Wort für sich, schreibt man es oh
, weil es im Deutschen keine Wörter gibt, die mit einem einzigen Buchstaben geschrieben werden.