Auf deutsch oder auf Deutsch?

rechtschreibung Grammatik und Rechtschreibung von Sprachennamen: Deutsch oder deutsch sprechen? Auf deutsch oder auf Deutsch? Das Deutsche oder Deutsch?
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Video veröffentlicht am 17.08.2011 (54.97 MB).

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Deutsch oder deutsch?

Spricht man deutsch oder spricht man Deutsch? Wir klären drei Fragen:

Deutsch sprechen oder deutsch sprechen?

Ausgangsbasis unserer Betrachtung soll folgende Frage sein. Sie stammt von dem Recht­schreib­experten Theodor IcklerExterner Link: Theodor Ickler bei Wikipedia.:

Ich ertappe mich immer wieder beim Grübeln, ob ich deutsch sprechen oder Deutsch sprechen schrei­ben soll. Nach alter und neuer Recht­schrei­bung ist bei­des rich­tig. (…) Ei­gent­lich wider­strebt mir die ad­verbi­ale Auf­fas­sung. Vgl. Ich spreche Deutsch und Rus­sisch — und was sprichst du? (nicht: *wie sprichst du?) Man ko­ordi­niert auch nicht mit anderen Ad­verbia­lien: *Er sprach englisch und leise.

Theodor IcklerExterner Link zum Eintrag in Theordor Icklers Rechtschreibtagebuch

Wir müssen zuerst klären, welche Grammatik der Wen­dung zugrunde liegt, denn die Recht­schrei­bung folgt nur der gram­mati­kali­schen Ana­lyse.

Herr Ickler führt an, daß man nach deutsch sprechen sowohl mit was als auch mit wie fragen kann. In diesem Fall hätten wir es bei {d}eutsch mit einem Ad­verb zu zun, in jenem mit einem Sub­stan­tiv im Ak­ku­sa­tiv: Wen oder was spricht man? An das Verb sprechen kön­nen also zwei Satz­glie­der angefügt wer­den: ein Ad­verbia­le deutsch oder ein Akkusativobjekt Deutsch. So deuten wir den Gedanken von Herrn Ickler.

Er stimmt jedoch nicht. Sprechen ist nämlich kein transitives Verb, es kann kein Akku­sativ­objekt haben, und man kann daher auch nicht fra­gen: Was sprichst du?

Man darf an sprechen zwar durchaus Sub­stan­tive anschließen, und sie ste­hen auch im Ak­ku­sa­tiv, aber dieser Ak­ku­sa­tiv ist kein Ob­jekts­akkusa­tiv. Denn wäre das der Fall, könnte gram­mati­kalisch jedes Sub­stan­tiv Ob­jekt zu spre­chen sein. Bei tat­säch­lich tran­sitiven Ver­ben ist das auch so:

  • Ich sage ihm meine Adresseobjekt.
  • Ich teile ihm meine Kontonummerobjekt mit.
  • Ich berichte ihm allesobjekt.
  • Ich verrate ihm was ich von ihm halteobjekt.
  • Ich erzähle ihm nichtsobjekt.

Genau das läßt sprechen aber nicht zu: Der Grund liegt in der Ety­mo­lo­gie des Wor­tes spre­chen. Es ist nicht ganz klar, ob es sich um ein indo­ger­mani­sches Wort han­delt oder, was wahr­schein­licher ist, ein alt­euro­päisches. Es exi­stiert in der Be­deu­tung sich münd­lich äu­ßern nur in den west­ger­mani­schen Spra­chen, also vor al­lem im Deut­schen und im Eng­lischen, wo das r im Lau­fe der Sprach­geschich­te ver­loren­ging: alt­eng­lisch spre­canto speak und be­zeich­net ei­gent­lich das Ge­gen­teil von Schwei­gen.

  • sprechen: **Ich spreche ihm meine Adresse | alles | was ich von ihm halte | nichtsobjekt.

Dennoch kann man sagen:

  • Er sprach drei Sprachen | einen Eid | kein Wort?.

Noch andere Sub­stan­tive sind mög­lich: Man kann einen Se­gen, einen Zau­ber­spruch, ein Ge­löb­nis spre­chen. Alle mög­lichen Sub­stan­tive haben ge­mein, daß sie einen Sprech­akt be­zeich­nen. Wäh­rend das Sub­stan­tiv Sprache durchaus einen Sprech­akt be­zeich­net und man daher sagen kann, er spricht drei Spra­chen, ist das bei Deutsch nicht ganz klar, auch wenn das Deut­sche eine Sprache ist.

Es ist aber gar nicht nötig, hier eine end­gül­ti­ge Ent­schei­dung zu tref­fen, weil zwei an­dere Um­stände viel schwerer wie­gen:

Erstens: Die Sub­stan­tivie­rung Deutsch kann nicht allein nach spre­chen ste­hen, weil Deutsch nur mit einem At­tri­but ver­wen­det wird. Er spricht gutes Deutsch, wäre also möglich, er spricht Deutsch aber nicht. Ohne At­tri­but ver­wen­det man eine andere Sub­stan­tivie­rung: das Deut­sche. Man kann des­halb nicht sagen: in Deutsch ver­wen­det man … Dazu unten mehr.

Zweitens: Dazu müssen wir klären, um was für einen Ak­ku­sa­tiv es sich bei Wen­dun­gen wie drei Sprachen sprechen han­delt, wenn es kein Ob­jekts­akkusa­tiv ist. Hier ein Bei­spiel:

  • Diesen Sommer adverbiale fahre ich nach Italien.
  • Freitag adverbiale kann ich nicht kommen.

In diesen Sätzen steckt ein Ak­ku­sa­tiv: diesen Sommer, Freitag. Fahren ist zwei­fel­los ein in­transi­tives Verb. Der Ak­ku­sa­tiv kann also nicht das Objekt be­zeich­nen. Er be­zeich­net den Zeit­punkt. Der Zeit­punkt ist ein Um­stand. Diesen Som­mer muß also eine Um­stands­angabe sein. Der la­teini­sche Aus­druck dafür lautet Adverbiale.

Das Ad­verbia­le (Plu­ral: die Ad­verbia­lia) ist eines der fünf Satz­glie­der (Sub­jekt, Prä­di­kat, Ob­jekt, At­tri­but, Ad­ver­bia­le).

Adverb ist da­gegen eine Wort­art. Das Ad­ver­bia­le in­for­miert über ei­nen Um­stand der Hand­lung und be­zieht sich da­mit syn­tak­tisch auf das Verb. Die Stel­le des Ad­ver­bia­les kann mit Ad­ver­bien heu­te, Prä­posi­tio­nal­phra­sen im Haus, Sub­stan­ti­ven in Da­tiv, Ge­ni­tivTutorial: Genitiv nach Verben oder Ak­kusa­tiv dir, al­len Ern­stes, die­ses Jahr oder ei­nem Ad­ver­bial­satz ob­wohl/nach­dem/so daß ge­füllt sein.

Ob man {deutsch} nun für ein Adverb oder Sub­stan­tiv hält, es steht auf jeden Fall im sel­ben Satz­glied.

Ak­kusa­tive in Ad­verbia­lia nennt man ad­verbia­le Ak­kusa­tive. Kann man nach diesen Som­mer mit was fragen? Was fahre ich nach Ita­lien? Nein, das geht nicht. Die Frage lautet: Wann fahre ich nach Italien?

Adverbiale Akkusative sind nicht immer temporal. Sehr viele ant­wor­ten auch auf die Frage wie; dann sind sie modal. Wenn es ums Fahren geht, könnte man dazu er­wäh­nen wol­len, auf welche Art und Weise man fährt. Im Idealfall gibt es dafür ein natives Ad­verb:

  • Ich fahre schnelladverbiale .
  • Ich fahre gern schnelladverbiale .
  • Ich fahre zögerlichadverbiale .

Wenn aber kein Ad­verb zur Verfügung steht, greift man nach einer Prä­posi­tional­phrase oder gar nach einem Ad­verbial­satz:

  • Ich fahre am liebsten schnell .
  • Ich fahre im Autoadverbiale .
  • Ich fahre mit dem Zugadverbiale .
  • Ich fahre, so schnell ich kannadverbiale .

Im 17. und 18. Jahrhundert hat sich das Deutsche eine weitere Mög­lich­keit einfallen lassen, und zwar für solche Wen­dun­gen, die ständig gebraucht wer­den.

  • Ich fahre Radadverbiale .
  • Ich fahre Autoadverbiale .
  • Ich fahre Audiadverbiale .

Die markierten Sub­stan­tive sind Akkusative, aber sie sind keine Objekte zum Verb fahren — man fährt schließlich nicht wen oder was, son­dern auf eine be­stimm­te Art und Weise. Sol­che modalen Ak­kusati­ve sind im Deut­schen weit­ver­brei­tet:

  • Ich spiele Fußballadverbiale .
  • Ich fahre Schachadverbiale .
  • Ich lese den Text Korrekturadverbiale .
  • Ich schreibe Maschineadverbiale .

Man spielt nicht den Fußball, man spielt damit oder so. Man liest nicht die Kor­rek­tur, son­dern einen un­kor­rigier­ten Text zur Korrektur. Und natür­lich schreibt man nicht eine Schreib­maschi­ne, son­dern einen Text auf einer Schreibmaschine. Das gilt auch für Per­sonen­anga­ben nach spre­chen: Wenn den Chef spre­chen will, dann wird der Chef nicht von ei­nem ge­spro­chen, der Chef ist nicht das Ob­jekt der Hand­lung, son­dern man spricht mit oder zu dem Chef.

Ebenso spricht man nicht Sprachen — da hätte man lange zu spre­chen. Der bloße Ak­ku­sa­tiv nach sprechen gibt an, worin die­ses Spre­chen be­steht. Zum Bei­spiel in Form eines Gebets, eines Eids oder eben einer frem­den Sprache. Wer drei Spra­chen spricht, ist in der Lage, in drei Spra­chen zu spre­chen. Man nennt diese spezi­elle Form des moda­len Ak­ku­sativs auch den Ak­ku­sa­tiv des Inhalts, weil er über den Inhalt des Spre­chens infor­miert. Er zeigt sich gern in Gestalt einer ety­mologi­schen Figur: eine Frage fragen oder eine Sprache sprechen. Figura etymologica nennt man Wen­dun­gen, bei denen alle Wör­ter zur selben Wurzel gehören.

Man spricht also auch nicht das Deutsch(e), son­dern auf deutsch oder ein­fach deutsch. Denn seit jeher gibt es im Deut­schen ein Ad­verb deutsch, das übrigens bis zum Ende des 10. Jahrhun­derts aus­schließ­lich für das Deutsch­spre­chen ver­wen­det wird, alles andere hat man davor nicht als deutsch be­zeich­net.

Sprachgeschichtlich gesehen enthält die Wen­dung deutsch sprechen auf jeden Fall ein Ad­verb und kein Sub­stan­tiv. Denn bereits im Hoch­mittel­alter sagte man tiutsch sprechen. In jener Zeit gab es den Ak­ku­sa­tiv des Inhalts noch nicht, hinter sprechen konnte unter keinen Um­stän­den ein einzelnes Sub­stan­tiv ste­hen.

Aber auch gegenwartssprachlich fällt einem das Sub­stan­tiv nur ein, wenn man sich mit be­schränk­tem syntak­tischem Wis­sen und in­tel­lek­tu­ell den Kopf über die Frage zer­bricht. Fol­gende Grün­de machen es un­mög­lich, daß in deutsch spre­chen ein Sub­stan­tiv steckt:

Regel 1

Das Verbum sprechen kann nur durch ein Adverbiale ergänzt wer­den. Wenn es für den gewünschten Umstand ein Ad­verb gibt, ver­wen­det ihn das Deutsche: Er spricht deutsch.

Wir sagen deshalb nicht:

  • **Er spricht nichts.

Denn nichts ist der Ak­ku­sa­tiv von nichts und nebenbei ein Sub­stan­tiv. Wir sagen:

  • Er spricht nicht.

Die Negation nicht ist ein Ad­verb. Ebenso spricht man nicht Geheimnis, son­dern geheimnisvoll oder heimlich. Der adverbiale Ak­ku­sa­tiv von Sub­stan­ti­ven kommt nur als letz­tes Mit­tel zum Ein­satz, wenn kein passendes Ad­verb existiert: **Er spricht eidlicher spricht einen Eid.

Regel 2

Wenn ein Ad­verb deutsch existiert, sub­stan­ti­viert man es nicht, wobei man es zugleich ent­adver­biali­siert, so daß das Sub­stan­tiv Deutsch her­aus­kommt, um dieses Zwi­schen­ergeb­nis dann in den Ak­ku­sa­tiv zu set­zen und da­mit wieder zu re-ad­ver­biali­sie­ren, um es schließ­lich in einer Form Deutsch, die völ­lig gleich wie das Ad­verb deutsch, die Aus­gangs­basis, klingt, als Ad­ver­bia­le zu ge­brau­chen.

Man kann dieses Up-and-down-Transponieren im Intellekt na­tür­lich durch­füh­ren, aber das Sprach­zen­trum unse­res Gehirns macht es nicht. Wer vor­schlägt, Deutsch spre­chen zu schrei­ben oder es als Mög­lich­keit er­laubt, mani­puliert die Spra­che.

3. Es kann sich bei deutsch sprechen nicht um ein Sub­stan­tiv handeln, weil das Sub­stan­tiv Deutsch nur mit einem At­tri­but ver­wen­det wer­den kann; al­lein­ste­hend heißt es das Deut­sche.

Den Unterschied zwischen Deutsch und das Deut­sche wer­den wir uns im näch­sten Kapi­tel an­sehen. Hier zum Abschluß die Recht­schreib­vorschrif­ten.

Alte Recht­schrei­bung: deutsch sprechen

Die alte Recht­schrei­bung erlaubt nur die Klein­schrei­bung.

  • deutsch sprechen
  • deutsch schreiben
  • sich deutsch unter­hal­ten

Einhelliger Querschnitt aus Duden-Ausgaben aus dem Zeitraum 1967 bis 1998.

Hierzu sei erwähnt, daß dem Duden in der Zeit von 1902 bis 1996 die Ver­wal­tung und Wei­ter­ent­wick­lung der Recht­schrei­bung, so wie sie 1902 vom Bundesrat(h) des Deut­schen Reichs ver­abschie­det wurde, als ho­heit­liche Auf­gabe an­ver­traut war. Was wir also in jener Epoche im Duden fin­den, ist maß­geb­lich.

Was da­mals ver­abschie­det wor­den war, grün­dete nicht auf ei­ner sim­pli­fizier­ten Syn­tax, die dem Geist von Sprach­wissen­schaft­lern ent­sprang und wie jede wis­sen­schaft­liche The­orie ein Mo­dell im stän­di­gen Fluß war. Es wurde bloß ka­noni­siert, was in den Jahr­zehn­ten zuvor in Schrift­setze­reien, Schu­len und im Kontor gän­gige Pra­xis ge­wor­den war.

Die alte Recht­schrei­bung zeigt also, wie die Deutsch­spre­cher am Be­ginn des letz­ten Jahr­hun­derts tat­säch­lich schrie­ben. Das gilt für deutsch spre­chen und die noch fol­gen­den Wen­dun­gen ohne jede Ein­schrän­kung.

Neue Recht­schrei­bung: deutsch sprechen

Die neue Recht­schrei­bung wünscht sich in der Wörterliste zur amt­lichen Recht­schrei­bung ebenfalls die Klein­schrei­bung:

  • deutsch sprechen (in deutscher Sprache sprechen)
  • deutsch unterrichten (in deutscher Sprache unter­rich­ten)
Wörterverzeichnis zur amt­lichen Recht­schrei­bung, Seite 137Externer Link zum Rat für Recht­schrei­bung: Amt­liches Wör­ter­ver­zeich­nis (PDF).

Auch wenn sich die amtliche Recht­schrei­bung das wünscht, ist das leider nicht alles:

Gelegentlich ist Groß- oder Klein­schrei­bung möglich, zum Bei­spiel: Sie spricht Englisch (was? — die englische Spra­che)/eng­lisch (wie?).

§57, Er­läu­te­rung 2Externer Link zum Rat für Recht­schrei­bung: Amtliches Re­gel­werk (PDF).Amtliche Recht­schrei­bung,

Wir wissen bereits, daß es sich um einen Irrtum handelt. Man kann bei sprechen gar nicht mit was fragen. Auch wenn man bedenkt, daß in der zur Zeit gül­tigen drit­ten Fas­sung des Re­gel­werks (2006) viele Zu­geständ­nisse an die Schul- und Wör­ter­buch­industrie stecken, vieles also in Er­läute­run­gen als nicht falsch er­wähnt wird, was vor 2006 noch rich­tig war, damit kürz­lich ge­druck­te Bücher nicht maku­liert wer­den müs­sen, wirft diese Er­läu­te­rung doch Fragen auf.

Denn in Paragraf 57 geht es um Sub­stan­tivierungen. Die Er­läu­te­rung hat dort also nichts verloren, wenn man deutsch nicht irr­tüm­lich für ein Sub­stan­tiv Deutsch hält, das der Er­läu­te­rung zufolge dann aber aus Grün­den klein­geschrie­ben wer­den darf, die dem Sou­ve­rän der deut­schen Spra­che, also den Deutsch­spre­chern, nicht verraten wer­den. Es wird will­kür­lich zu­gelas­sen, denn das Re­gel­werk der Re­form­schrei­bung be­sitzt kein Prin­zip, das die Klein­schrei­bung be­grün­den könnte. Die in der alten Recht­schrei­bung mög­liche Klein­schrei­bungen von adver­bial ge­brauch­ten Sub­stan­tiven oder No­minal­phra­sen hat in der neuen Recht­schrei­bung keine Ent­sprechung.

Wir haben daher die Strei­chung der Er­läu­te­rung beim Rat für Recht­schrei­bung in der näch­sten Fas­sung des Re­gel­werks be­an­tragt und emp­feh­len Ihnen die sprach­lich einzig rich­tige und in bei­den Recht­schreib­sys­temen ge­wünsch­te Schrei­bung: deutsch sprechen.

Das Deutsche versus Deutsch

Zwei Sub­stan­tive be­zeich­nen die deut­sche Sprache im Deut­schen: das Deutsche und Deutsch. Wer­fen Sie einmal einen Blick auf das fol­gen­de Bei­spiel:

  • Das Deutsche ist eine schwierige Sprache.
  • Deutsch ist eine schwierige Sprache.

Der erste Satz ist rich­tig, der zweite falsch. Auch wenn er ei­nem manch­mal im Ei­fer des Ge­fechts her­aus­rutscht, än­dert das nichts an sei­ner Falschh­eit, denn Sie wür­den die fol­gen­den Sätze wohl unter keinen Um­stän­den als gram­mati­ka­lisch kor­rekt be­urtei­len:

  • So kann man in Deutsch nicht sagen.

  • Thomas Mann gilt als Könner des Deutsch.

Fangen wir mit dem Deut­schen an. Es handelt sich um eine Sub­stan­tivie­rung des Ad­jek­tivs deutsch. Nach dem heut­zu­tage pro­duk­ti­ven Sche­ma beu­gen sie wie schwa­che Ad­jek­ti­ve, wenn ihnen der be­stimm­te Ar­ti­kel vor­aus­geht, und stark, wenn es der un­bestimm­te Ar­ti­kel ist oder gar kei­ner:

  • das Schöne
  • ein Schönes
  • Schönes

Beim Deut­schen gibt es nur die Variante mit dem bestimmten Ar­ti­kel: das Deutsche. Es be­zeich­net die deut­sche Sprache schlecht­hin, also als solche, in ihrer Gänze. Auch der Aus­druck das Hoch­deut­sche oder das Mit­tel­hoch­deut­sche be­zeich­net diese For­men des Deut­schen, die als solche kom­plet­te Spra­chen sind, als sol­che.

Des­wegen heißt es: Das Deut­sche ist eine schwie­rige Sprache. Es betrifft die deut­sche Sprache in ihrer Ge­samt­heit.

Meint man jedoch ein spezielles Deutsch, zum Bei­spiel das Deutsch Friedrich Schillers, also nur ein ganz kon­kre­tes und spezi­elles Deutsch, dann ver­wen­det man das Sub­stan­tiv Deutsch. Damit geht ein­her, daß die­ses Sub­stan­tiv nur zu­sam­men mit ei­nem At­tri­but er­schei­nen kann, denn der In­halt des At­tri­buts ist es, was die­ses Deutsch so spezi­ell macht. Aus die­sem Grund heißt es rich­tig deutsch spre­chen, aber schö­nes Deutsch spre­chen.

Als At­tri­but kommt in Frage:

  • ein Genitivattribut: Schillers Deutsch
  • ein Präpositionalattribut: das Deutsch von Schiller
  • ein Adjektivattribut: korrektes Deutsch
  • eine determiniertendes Präfix: Juristendeutsch
  • ein Pronomen: Sein Deutsch war tadellos
  • ein Attributsatz: Deutsch, das man in Hessen spricht
  • ein Adverbialsatz: Deutsch, wie man es in Bayern spricht

Der Artikel allein reicht nicht: **das Deutsch.

Auch Deutsch ist durch Sub­stan­tivierung entstanden. Als Aus­gangs­basis sind nur das Ad­jek­tiv deutsch und das gleich­klin­gen­de Ad­verb möglich. Bei Spra­chen­namen sind Ad­jek­tiv und Ad­verb stets gleich­klin­gend. Das gilt auch für Farben: Ableitungen wie bläulich sind ganz jung und zudem in ihrer Be­deu­tung ab­schwä­chend.

  • Adjektiv: Meer ist blau. Blut ist rot.
  • Adverb: Das Meer schimmert blau. Die Ampel leuchtet rot.

Auch hier gibt es zwei Sub­stan­tivierungen, die nach den­sel­ben Kri­teri­en ver­wen­det wer­den.

  • Mit At­tri­but: So ein kräftiges Blau! Das Blau ihres Kleids war hübsch. Das Blau (= dieses Blau) ist schön. Das Blau von Picasso. Im Dunkel der Nacht.
  • Ohne At­tri­but: Das Blaue vom Himmel her­unteradverb lügen, ins Blaue hinein, im Dun­keln ste­hen

Die endungslosen Bildungen stammen aus dem 17. Jahr­hun­dert und er­schöp­fen sich hier­mit, wenn man vom nach­geahm­ten All ab­sieht. Alle an­de­ren ab­strak­ten Sub­stan­tivie­run­gen bil­den keine solche Form. Zu schön gibt es nur das Schöne (an dir) aber nicht **das Schön an dir. Sub­stan­ti­vierte Wör­ter wie das Gut, das Übel, das Licht, das Leid, das Recht usw. ge­hören nicht dazu; sie sind ein Jahr­tau­send zuvor ent­stan­den, als noch ganz anders sub­stan­ti­viert wurde.

Betrachten Sie einmal diesen Satz:

  • deutsch sprechen

Diesen Satz wollen wir um einen weiteren Umstand ergänzen:

  • schön deutsch sprechen

Diese beiden Adverbien können vor dem Verb Adverbi­en blei­ben. Aber wenn wir es wo­anders ver­wen­den wol­len?

  • *Das ist aber nicht schön deutsch sprechen.
    → Das ist aber kein schönes Deutsch.

Das Adverb deutsch wird jetzt substantiviert, das ihm vor­aus­gehen­de Ad­verb schön des­halb zum Ad­jek­tiv­attri­but.

Diese Ableitung von Deutsch vom Ad­verb geht ohne Schwie­rig­keiten. Aber wie will man so vom Adjektiv deutsch zum Sub­stan­tiv Deutsch ge­lan­gen? Wir se­hen keine Mög­lich­keit.

Die Ableitung vom Adjektiv ist aus jedem Blick­win­kel ab­surd: Auch mor­pholo­gisch wi­der­spricht sie jedem im Deut­schen in den letz­ten Jahr­hun­derten gän­gi­gen Schema. Dafür aber exakt der Art und Weise, wie man Ad­ver­bi­en no­mina­lisiert: hier, jetztWir leben im Hier und Jetzt.

Daß es sich bei Deutsch um das sub­stan­ti­vier­te Ad­verb han­delt, er­klärt auch, warum es nur mit At­tri­bu­ten ver­wen­det wer­den kann. Denn nur die At­tribu­te er­zwin­gen über­haupt eine Sub­stan­tivie­rung.

Es handelt sich also in sämtlichen Fällen von {deutsch} um das Ad­verb und nichts an­deres: Al­lein­ste­hend bleibt es Ad­verb deutsch sprechen, auf deutsch, mit Attribut wird es sub­stan­ti­viert schönes Deutsch.

Das Adjektiv deutsch ist daran gänzlich unbeteiligt. Seine Substantivierung lautet das Deutsche.

Beachte:

  • Schönes Deutsch bezeichnet nur den Teil des Deut­schen, der schön ist; das an­dere nicht.
  • Das schöne Deutsche bezeich­net das Deut­sche ins­gesamt als schön.

Das Re­gel­werk der amt­lichen Recht­schrei­bung geht den­noch ohne jede Be­grün­dung von sub­stan­ti­vier­ten Ad­jek­ti­ven aus. Wir neh­men an, daß seine Ver­fas­ser des Re­gel­werks das Di­lemma gar nicht be­merkt haben.

Das kann dem nor­ma­len Deutsch­spre­cher ei­gent­lich egal sein, so­lan­ge er Deutsch wie in den Bei­spielen oben ge­braucht. Aber sobald eine Prä­posi­tion hin­zu­kommt, muß er sich zwi­schen dem Be­fol­gen der Regel und kor­rek­ter Spra­che ent­schei­den — mit kor­rekt meinen wir hier tat­säch­liche Spra­che, so wie sie sich im Sprach­zen­trum unse­res Gehirn voll­zieht.

Auf deut­sch oder auf Deutsch?

Das Ad­verb deutsch kann hinter eine Prä­posi­tion treten, ohne daß sich da­durch etwas an seinem Wesen als Ad­verb oder seiner Schrei­bung än­dert:

  • Sie bleibt so. Sie bleibt für immer.
  • Sie spricht deutsch. Sie spricht auf deutsch.

Alte Recht­schrei­bung:

Demgemäß schreibt man nach alter Recht­schrei­bung:

  • in deutsch
  • zu deutsch
  • auf deutsch
  • auf gut deutsch
  • auf deutsch gesagt
  • auf deutsch sprechen

Auf, in oder zu deutsch?

Die Wen­dung zu deutsch herrschte im Hochmittelalter und der frühen Neuzeit vor. Damals be­zeich­nete zu nicht nur die Be­wegung auf etwas zu, son­dern auch die Ruhe­lage. Aus dieser Phase stam­men viele lexi­kali­sierte Zeit­aus­drücke wie zu­weilen, zu Anfang, zur Zeit und Adelstitel mit zu. Heute wird es nur noch wie auf gut deutsch oder im Klartext ver­wen­det.

In deutsch ist ebenfalls sehr alt, sogar am älte­sten. Es kann noch stets statt auf deutsch ver­wen­det wer­den, wirkt dann aber oft komisch. Am häu­fig­sten tritt es noch im Prädikat auf: Der Film ist in deutsch.

Neue Recht­schrei­bung: auf Deutsch

In der heute gültigen amtlichen Rechtschreibung schreibt man dagegen groß:

  • in Deutsch
  • zu Deutsch
  • auf Deutsch

Aus der Schau aller beteiligten Paragrafen (§§57, 58) schreibt das Re­gel­werk die Groß­schrei­bung vor, weil seine Ver­fas­ser irr­tüm­lich glau­ben, daß hier gar nicht das Ad­verb stün­de, son­dern dessen Sub­stan­tivie­rung Deutsch, die sie in einem wei­te­ren Irr­tum für die Sub­stan­tivie­rung des Ad­jek­tivs hal­ten.

E2: Substantivierungen, die auch ohne Prä­posi­tion üblich sind, wer­den nach §57(1) auch dann groß­geschrie­ben, wenn sie mit einer Prä­posi­tion ver­bun­den wer­den, zum Bei­spiel: In Ost­afri­ka ver­stän­digt man sich am besten auf Swa­hili oder Eng­lisch. (Vgl.: Be­kannt­lich ist Eng­lisch eine Welt­spra­che. Sein Eng­lisch war gut ver­ständ­lich.)

§58, Er­läu­te­rung 2 Externer Link zum Rat für Recht­schrei­bung: Amtliches Re­gel­werk (PDF).">Amtliche Recht­schrei­bung,

Zu allem Ärger sind die Beispiele auch noch gram­mati­ka­lisch falsch; es muß kor­rekt heißen: Be­kannt­lich ist das Eng­lische(!) eine Welt­spra­che. Das erklärt viel­leicht, warum die Ver­fas­ser nicht wis­sen, daß das Sub­stan­tiv Deutsch im Deutsch Deut­schen nicht ohne At­tri­but er­schei­nen kann.

Aber hiermit enden die Irrtümer leider nicht. Der Rat für Recht­schrei­bung flicht einen Ge­danken­kom­plex von atem­berau­ben­der Falsch­heit. Er nimmt näm­lich zudem an, daß auf deutsch auch dann groß­geschrie­ben würde, wenn man deutsch darin für ein Adverb hielte. Sie glauben, daß es dann durch die Präposition sub­stanti­viert würde:

Wör­ter anderer Wortarten schreibt man groß, wenn sie als Sub­stan­tive gebraucht wer­den (= Sub­stan­tivierungen). sub­stan­ti­vierte Wör­ter nehmen die Eigen­schaften von Sub­stan­tiven an. Man erkennt sie im Text an zu­min­dest einem der folgenden Merkmale: (c) an ihrer Funk­tion als kasus­bestimm­tes Satzglied oder kasus­bestimm­tes At­tri­but.

(1) sub­stan­ti­vierte Ad­jek­ti­ve und ad­jekti­visch ge­brauch­te Par­tizi­pien (…), zum Bei­spiel:

  • Mit Englisch kommt man überall durch.
  • In Ostafrika verständigt man sich am besten auf Swa­hili oder auf Englisch.
§58, Er­läu­te­rung 2 (Auszug)Externer Link zum Rat für Recht­schrei­bung: Amtliches Re­gel­werk (PDF).">Amtliche Recht­schrei­bung,

Mit kasusbestimmt muß das Re­gel­werk das meinen, was von Prä­posi­tio­nen ab­hängt, weil die Beispiele sonst nicht zu er­klä­ren wären. Dar­un­ter ist das erste übri­gens wieder falsch (mit dem Eng­lischen kommt man über­all durch) oder zu­min­dest un­pas­send (mit eng­lisch [spre­chen]).

Die Annahme, Präpositionen oder Kasus wären Indi­zi­en für die Wort­art Sub­stan­tiv, spottet jeder seri­ösen Sprach­wis­sen­schaft. Wir schrie­ben sonst: für Mich, zu Uns, bis Später, auf Ewig usw.

Es handelt sich hier um ei­nen mul­ti­plen Sprach­irr­tum im Re­gel­werk, einen le­xi­ka­li­schen Feh­ler: Es wurden zwei exi­stie­ren­de Wör­ter (deutsch und Deutsch) mit­ein­an­der ver­wech­selt. Die Regel ist daher un­gül­tig, weil sie nicht zu­trifft. Sie sollte nicht be­folgt wer­den.

Deutsch sprechen oder auf deutsch sprechen?

Zu guter Letzt noch die Frage, worin der Unterschied zwischen deutsch sprechen und auf deutsch sprechen liegt.

Dieses kann immer durch jenes er­setzt werden, denn deutsch spre­chen kann sowohl be­deu­ten, daß jemand ge­rade deutsch spricht, als auch, daß er die deut­sche Spra­che be­herrscht, wobei er im Moment darin spre­chen oder schwei­gen kann. Wel­ches davon ge­meint ist, ergibt sich immer aus dem Kontext. Das Be­herr­schen meint diese Wen­dung nur, wenn die Fra­ge des Be­herr­schens zuvor oder zugleich auf­gewor­fen wird.

  • Welche Qualifikationen hat er? — Er spricht deutsch und kann auf den Hän­den lau­fen.
  • Aber seine einzige Qualifikation war, daß er deutsch sprach.

Dagegen kann auf deutsch sprechen niemals das Grund­sätz­liche be­zeich­nen, sondern immer nur das Ak­tuel­le. Wer auf deutsch redet, redet gerade jetzt, und zwar auf deutsch. Das kann man nur lexi­ka­lisch än­dern:

  • Er konnte sich auf deutsch verständigen.
  • Er verständigte sich auch auf deutsch, wenn es darauf ankam.

Das alles gilt auch für andere Verben wie sich unterhalten oder schrei­ben. Zu be­ach­ten ist al­ler­dings, daß die Prä­posi­tional­phrase zu wäh­len ist, wenn das Verb zu­dem noch ein Objekt hat.

  • Er schrieb deutsch. Er schrieb das Buch auf deutsch.

Bei reflexiven Verben kommt es auf den Einzelfall an:

  • Sie sprachen deutsch. Sie unterhielten sich auf deutsch. Sie un­ter­hiel­ten sich deutsch.

Das spricht nicht für den ver­meint­lich nomi­nalen Cha­rak­ter des Wört­chens deutsch, denn die Vari­ierung der Kon­struk­tion der Ak­tan­ten, indem das Objekt aus einem blan­ken Ak­kusa­tiv be­steht und das Ad­verbia­le aus einer Prä­posi­tional­phrase, ist im Deut­schen weit über unser The­ma hin­aus üblich. Auch ad­verbia­le Geni­tive wan­deln sich in Prä­po­sitio­nal­phra­sen, wenn zudem ein Objekt im Spiel ist.