Geschalten oder geschaltet?

Gespalten, geschalten, gesalzen: Bei einigen schwachen Verben ist heute noch ein starkes Partizip in Gebrauch.

Zuschauer Marcel fragt knapp: An­zei­ge ge­schal­ten — Was soll man davon hal­ten?

Dasselbe wie von gespalten und gesalzen. Diese Verben waren bis vor eini­ger Zeit starke Ver­benStarke Verben und Ihre Beugung. der Ab­laut­reihe sieben (re­du­plizie­ren­de Verben), wur­den also wie halten, ich hielt, ge­hal­ten gebeugt:

Die Bedeutung von schalten war im Mittelalter, wo es noch keine Schalter und daher nichts zu schalten gab, noch stoßen.

Beim Salzen sind mir aus dem Mittelalter allerdings nur der Infinitiv salzen und das Partizip gesalzen bekannt, was den Verdacht aufwirft, es könnte es sich hier um ein Hirngespinst handeln. So ist beklommenVideo-Tutorial: Klimmen, klemmen und beklommen. Die weitverstreute Wortsippe zu Klimmen. den Wörterbüchern nach das Partizip zu beklimmen, das allerdings nie existiert hat. Es handelt sich um ein pseudostarkes Partizip zu beklemmen, dessen Partizip im Mittelhochdeutschen korrekt beklemmet lautete. So ein Fall liegt auch bei verwunschen vor. Da wünschen von Wunsch abgeleitet ist, kann es nur ein schwaches Verb und sein Partizip verwünscht sein.

Allerdings sind pseudostarke Partizipien nicht falsch, sondern nur unhistorisch.

Bei gespalten und geschalten handelt es sich dagegen um echte alte starke Partizipien. Bei schalten hat sich daneben ein neues Partizip geschaltet zu schaltete gebildet, bei spalten hingegen nicht. Gespaltet findet sich nur selten und in bestimmten Zusammenhängen.

Ob man gespaltet oder gespalten sagt, ist heute vor allem mundartlich bedingt. Beide Formen sind korrekt und stilistisch gleichwertig.

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