Merkwürdig

Merkwürdig

Der Ausdruck merkwürdig wird heutzutage vor allem in der Bedeutung ›sonderbar‹ verwendet. Die Konstruktion legt aber die Annahme nah, daß merkwürdig ursprünglich denkwürdig oder wert, es sich zu merken, bedeutet hat. So sieht es auch Jacob Grimm: Er spricht bei der heutigen Bedeutung von einer abgeschwächten.

Warum meinen wir heute mit merkwürdig selt­sam, an­statt wie frü­her be­mer­kens­wert oder be­deu­tend?

merkwürdig

Der Ausdruck merkwürdig wird heut­zu­tage vor al­lem in der Be­deu­tung son­der­bar ver­wen­det. Die Kon­struk­tion legt aber die An­nahme nah, daß merk­wür­dig ur­sprüng­lich denk­würdig oder wert, es sich zu mer­ken, be­deu­tet hat. So sieht es auch Ja­cob Grimm: Er spricht bei der heu­ti­gen Be­deu­tung von einer ab­geschwäch­ten.

Uns ist jedoch kein Beleg für das Ad­jek­tiv be­kannt, der äl­ter wäre als 250 Jah­re. Und von An­fang an sind bei­de Be­deu­tun­gen in Ge­brauch.

merken

Sehen wir uns daher das Verbum merken an: Es kommt von ger­ma­nisch mark∙ija∙ und be­deutet eine Mar­ke set­zen, also kenn­zei­chnen. Im Alt- und Mit­tel­hoch­deut­schen hat merken allein die Be­deu­tung, die mer­ken, be­mer­ken heute hat. Ein Merker war im Mit­tel­alter ein Auf­pas­ser oder Spä­her, ein Grenz­posten also, der be­merk­te, wenn sich der Feind an­schlich. Das Sub­stan­tiv dazu, die Merke, be­zeich­nete die Be­ob­ach­tung und Auf­merk­sam­keit. Die Ver­en­gung auf die Sin­nes­wahr­neh­mung kommt wohl da­her, daß die Spä­her und Auf­pas­ser an der Gren­ze (= Mark) stan­den — so als würden wir heu­te ein Verb auf­pas­sern bil­den mit der Be­deu­tung etwas be­mer­ken.

Als Einprägen wurde dieses Wort frü­her nicht ge­braucht, das sieht man auch an der Kon­struk­tion: sich etwas mer­ken (= für sich etwas mer­ken). Die­se Be­deu­tung kann nicht als eine Marke (im Ge­dächt­nis) setzen gedeutet wer­den, weil die ur­ger­mani­sche Be­deu­tung im ge­sam­ten Mit­tel­alter ver­loren war. Im Alt­hoch­deut­schen gibt es noch ein ähn­liches Verb mar­kōn mit der al­ten Be­deu­tung be­gren­zen, mar­kie­ren, das je­doch spä­ter von mar­kie­ren er­setzt wird. Das (und eben­so mar­kant = mit deut­lichen Kon­tu­ren) kommt von fran­zösisch mar­quer, das selbst aus dem Ger­mani­schen ent­lehnt ist.

Fazit

Unter diesen Voraussetzungen hal­ten wir die heu­ti­ge Be­deu­tung für die ur­sprüng­liche: Merk­wür­dig ist, was wegen seiner Außer­gewöhn­lich­keit (und Un­er­klär­lich­keit) im­stande ist, die Auf­merk­sam­keit auf sich zu zie­hen. Das zu­nächst Un­er­klär­liche prägt sich einem ja be­kannt­lich am be­sten ein.