Wieso?, fragte er sich.

Wieso?, fragte er sich.

zeichensetzung Neuerdings stößt man in Romanen auf Fragezeichen in indirekten Fragesätzen. Dies ist jedoch nach den Axiomen der Zeichensetzung falsch und grammatikalisch sinnlos. Grundsätzlich können auf derselben Sprechebene Satzzeichen nicht aufeinandertreffen — auf ein Fragezeichen darf nie direkt ein Komma folgen. Das ist nur möglich, wenn die Sprechebene durch parenthetische Zeichen wie den umschließenden Gedankenstrich oder das Anführungszeichen auf eine andere Sprechebene gehoben wird.
Dauer: 19 Minuten.

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Video veröffentlicht am 04.09.2010 (21.54 MB).

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Fragezeichen in unabhängigen und abhängigen Fragesätzen

Schriftsteller und Lektoren glau­ben im­mer öf­ter, ab­hän­gi­ge Frage­sätze durch ein Frage­zei­chen mar­kie­ren zu müs­sen.

Di­rek­te Frage­sätze — das heißt un­ab­hän­gige Frage­sätze — sind Haupt­sätze:

Wieviel Uhr ist es?

Wann kommst du?

Hast du das Buch gelesen?

Hier etwa?

Indirekte Fragesätze, das heißt abhängige Frage­sätze sind Neben­sätze. Sie sind also vom über­ge­ord­ne­ten Satz gram­ma­tika­lisch ab­hän­gig:

Wieviel Uhr ist es, fragte er.

Wann kommst du, wollte sie wissen.

Sie wußte nicht, wann er kommt.

Hast du das Buch gelesen, lautete ihre nächste Frage.

Hier, fragte sie sich.

Das Fragezeichen

Das Fragezeichen kennzeichnet einen Satz als Frage. Weil das Fragezeichen ein Zeichen ist, steht es nur bei Aussagen, die funktional eine Frage sind. Es steht nur dann, wenn der Satz sonst nicht als Frage zu er­ken­nen wäre.

Hier.

Hier?

Das gilt auch, wenn der Satz Wörter enthält, die in einer Fra­ge typi­scher­weise auf­tau­chen:

Warum?

Weshalb?

Wieso?

Diese W-Wörter tauchen nämlich auch an anderer Stelle auf:

Er kam immer zu spät, was schließ­lich zu sei­ner Kün­di­gung führ­te.

Was ich schon immer einmal fragen wollte.

Wie man sich bettet, so schläft man.

Wo alles begann.

Abhängige Frage­sätze

Das Frage­zei­chen kann nur am Ende von unabhängigen Frage­sätzen stehen. Es beendet also einen formalen Haupt­satz, eine Satz­peri­ode, und hat das glei­che Gewicht wie ein Punkt.

Abhängige Frage­sätze sind dagegen Neben­sätze, die vom Ver­bum des über­geord­neten Satzes ab­hän­gen. Daß sie eine Fra­ge ent­hal­ten, geht aus dem In­halt des über­geord­ne­ten Satzes her­vor.

Aufbau der Satzzeichen Komma, Punkt, Fragezeichen, Ausrufezeichen, Semikolon, Doppelpunkt und Gedankenstrich.
Der indirekte Fragesatz erläutert den Inhalt des Ver­bums im über­geord­neten Satz. Aus dem Ver­bum selbst geht her­vor, daß der davon ab­hän­gi­ge Satz ein Frage­satz sein muß. Ein Frage­zei­chen wäre daher über­flüs­sig, auch wenn man als Ver­fas­ser des Satzes Zwei­fel daran hat und gerne ein Frage­zei­chen setzen wür­de, um auf Num­mer Sicher zu gehen.

Das Frage­zei­chen wäre also re­dun­dant. Die Maxime der deut­schen Zei­chen­setzung lautet jedoch: Anti­redun­danz.

  • Warum es schiefgelaufen war, wußte am Ende niemand.
  • Schon wieder, brüllte sie.
  • Wieso denn, fragte sie sich.
  • Ach tatsächlich, sagte er sich.

Zweifelt man beim letzten Beispiel daran, daß der Satz als Fra­ge zu er­ken­nen ist, soll­te man von der in­di­rek­ten Rede zur er­leb­ten RedeExterner Link: Artikel über erlebte Rede bei Wikipedia wech­seln. Da­durch wird der Neben­satz zum Haupt­satz, wo­durch ein Frage­zei­chen möglich wird:

Der Kommissar schnalzte mit der Zunge. Ach tatsächlich? Das hatte er nicht er­war­tet.

Man kann die Sache auch noch anders sehen: Auch wenn indirekte Fragesätze eine Frage enthalten, sind sie strenggenommen bloß Inhaltssätze, die den Inhalt eines Ausdrucks im übergeordneten Satz erläutert. Dieser Ausdruck —  etwa die Frage, er fragte, er wunderte sich, er konnte sich nicht erklären  — enthält nur lexikalisch eine Frage, aber funktional ist es keine Frage, sondern eine Behauptung:

[Heute ist Freitag.]Behauptung

[Er konnte sich nicht erklären, wieso die Woche schon wieder zu Ende war.]Behauptung

Dagegen ist der Satz Wie spät ist es? funktional eine Frage. Aus diesem Grund steht ein Fragezeichen.

Prinzipien der Satzzeichen

Als einfache Regel kann man sich merken: Auf der­selben Sprech­ebene dürfen nie­mals zwei Satz­zei­chen auf­ein­ander­tref­fen. Es kann also nie­mals ein KommaDas Komma: Funktion als Satzzeichen und Kommaregeln un­mit­tel­bar auf ein Frage­zei­chen fol­gen. Das eine könn­te das andere ent­weder über­flüs­sig machen oder es sogar auf­heben.

Von dieser Regel gibt es zwei schein­bare Aus­nah­men: Um­schlie­ßende Satz­zei­chen und die Kom­bina­tion ?!.

Umschließende Satzzeichen (Parenthesen)

Umschließende Satz­zei­chen sind der doppelte Ge­dan­ken­strich (Par­en­these) und das An­füh­rungs­zei­chen. Bei der Parenthese wird ein be­gon­ne­ner Satz unter­bro­chen, um einen Ein­schub zu brin­gen. Da­nach wird der erste Satz ein­fach fort­ge­setzt. Der Ein­schub wird vorne und hin­ten durch einen Ge­dan­ken­strich mar­kiert. Parenthese kommt vom grie­chi­schen Ver­bum par∙en∙ti­the­mi ich setzte da­zwi­schen hin­ein und be­zeich­net einen Ein­schub. Der wird or­tho­gra­fisch durch ein um­schlie­ßen­des Satz­zei­chen deut­lich ge­macht: Ge­dan­ken­stri­che, Anführungszeichen, Klammern und auch um­schlie­ßende Kom­masDas Komma: Funktion als Satzzeichen und Kommaregeln.

In diesem Haus — das hat mir Frau Huber versichert! —, in dem Haus daneben und auch im Gar­ten­schup­pen spukt es.

Dasselbe gilt auch für Klammern. Sie machen in etwa das gleiche wie ein doppelter Gedankenstrich:

In diesem Haus (das hat mir Frau Huber versichert!), in dem Haus daneben und auch im Gar­ten­schup­pen spukt es.

Literarische Texte (aber auch alle anderen bis hin zum Ein­kaufs­zet­tel) wer­den immer von einer Er­zähl­stim­me er­zählt. Des­halb ge­hören Klam­mer­ein­schübe ei­gent­lich nicht in einen Roman. Wo im­mer sich Schrift­stel­ler dazu hin­rei­ßen las­sen, wäre ein Ein­schub mit Ge­dan­ken­stri­chen rich­tig und bes­ser ge­wesen.

Die Erzählstimme unterbricht sich mit einem Gedankenstrich also, um selbst etwas zu sagen. Wird unter­bro­chen, um jemand andres zu Wort kom­men zu las­sen, ver­wen­det man da­ge­gen das An­füh­rungs­zei­chen.

In diesem Haus spukt es!, sagte Frau Huber.

Was innerhalb umschließender Satz­zei­chen steht, ist ein voll­stän­di­ger Satz. Er kann mit einem Satz­zei­chen be­en­det werden. Hängt die wört­liche Rede (Fi­gu­ren­rede) von einem Haupt­satz ab wie im vor­an­gegan­genen Bei­spiel, dann darf sie nur einen ein­zi­gen Haupt­satz ent­hal­ten — auf kei­nen Fall mehr. Aus die­sem Grund kann man den nor­ma­len Punkt weg­las­sen; man weiß ohne­hin, daß mit dem schlie­ßenden An­füh­rungs­zei­chen ohne­hin ein Haupt­satz endet. Innerhalb der Anführung stehen außer dem Komma und dem Strichpunkt Satz­zei­chen, die unten einen Punkt ent­hal­ten, nur, wenn sie eine prag­mati­sche Zu­satz­infor­ma­tion ent­hal­ten: Aus­rufe­zeichen, Frage­zei­chen und Dop­pel­punkt — diese drei Zeichen enden unten an der Grundlinie mit einem Punkt. Das Frage­zei­chen mar­kiert den Satz als Frage, das Aus­rufe­zei­chen mar­kiert ihn als Ausruf, der Doppelpunkt kündigt etwas an.

Die umschließenden Satz­zei­chen bil­den einen Con­tai­ner. Die Satz­zei­chen (… spukt es!«, … sowie … ver­sichert! —, in …) stoßen also nicht wirk­lich auf­ein­an­der.

Aufbau der Satzzeichen Komma, Punkt, Fragezeichen, Ausrufezeichen, Semikolon, Doppelpunkt und Gedankenstrich.
Die abhängige wörtliche Rede ist immer ein ganzer Haupt­satz und wird von An­füh­rungs­zei­chen um­mantelt. Sie fun­gie­ren als Con­tai­ner der den Haupt­satz im In­ne­ren nach außen in einen Neben­satz um­wan­deln. Dieser Neben­satz ist vom ei­gent­lichen Haupt­satz ab­hän­gig. Satz­zei­chen in­ner­halb der An­füh­rungs­zei­chen wirken also auf einer anderen Sprech­ebene als die Satz­zei­chen außer­halb.

Frage;zeichen mit Ausrufezeichen

Das geschieht auch bei Fragezeichen mit Ausrufezeichen nur scheinbar:

Was soll das denn heißen?!

Dieser Satz ist formal eine Frage. Aber so ist er nicht gemeint. Als Äu­ße­rung ist ein Aus­ruf, ein Vor­wurf. Der Frage­satz steckt also in einem Con­tai­ner, einem Aus­rufe­satz.

Aufbau der Satzzeichen Komma, Punkt, Fragezeichen, Ausrufezeichen, Semikolon, Doppelpunkt und Gedankenstrich.
Der Fragesatz ist in einen Aus­rufe­satz ein­gebet­tet, der neben dem Frage­­satz nur ein Aus­rufe­zei­chen ent­hält.

Aufbau der Satzzeichenglyphen

Warum kann auf ein Frage­zei­chen kein Kom­ma fol­gen, wenn kei­ne der ge­ra­de ge­zeig­ten Ver­schach­te­lun­gen von Sätzen vor­liegt?

  • Falsch: Wieso?, fragte sie sich.
  • Richtig: Wieso, fragte sie sich.

Dazu müssen wir einen Blick auf den Bau der Satz­zei­chen­gly­phen wer­fen:

Aufbau der Satzzeichen Komma, Punkt, Fragezeichen, Ausrufezeichen, Semikolon, Doppelpunkt und Gedankenstrich.
Ist die Glyphe eines Satz­zei­chens aus mehreren Ele­men­ten kom­po­niert, steht das un­te­re Ele­ment für die syn­tak­tische Funk­tion und das obere für die prag­ma­tische. Be­steht die Gly­phe nur aus einem Ele­ment, kommt es dar­auf an, ob es im syn­tak­tischen Be­reich unten oder im prag­ma­ti­schen Teil oben steht.
Der Punkt hat eine rein syn­tak­tische Funk­tion; er in­for­miert dar­über, daß der Haupt­satz (Peri­ode) zu Ende ist. Der Ge­dan­ken­strich be­sitzt dagegen keine syn­tak­tische Rol­le, son­dern eine rein prag­ma­tische (Sprechpause). Des­halb liegt er oben im prag­ma­tischen Be­reich.

Fassen wir das Verbot genauer: Es können keine Satz­zei­chen auf­ein­an­der­tref­fen, die bei­de in ihrer äuße­ren Form (das Schrift­zei­chen) und in ihrer in­halt­lichen Be­deu­tung eine syn­tak­tische Aus­sage machen. Es be­trifft also alle Satz­zei­chen, in deren Glyphe ein Punkt oder ein Kom­ma steckt.

Enthält das Zeichen unten einen Punkt, be­deu­tet das ge­sam­te Zei­chen, daß der Haupt­satz hier zu Ende ist. Der ein­fache Punkt, das Frage­zei­chen, das Aus­rufezei­chen und ei­gent­lich auch der Dop­pel­punkt enden zur Grund­linie hin mit einem Punkt. Diese Zei­chen be­en­den also einen Haupt­satz.

Steht ein Komma, gibt es syntaktisch irgend­etwas zu regeln, aber der Haupt­satz geht danach noch weiter. Das ein­fache Komma und der Strich­punkt be­en­den also kei­ne Haupt­sätze.

Wenn ein Frage­zei­chen einen Haupt­satz beendet, darf di­rekt darauf kein Kom­ma folgen, denn das be­haup­tet wider­sprüch­lich, der Haupt­satz ginge doch noch wei­ter. Ebenso um­ge­kehrt: Auf ein Kom­ma kann kein punkt­hal­tiges Zei­chen fol­gen. Was ge­wön­ne man, wenn man erst die Fort­setzung des Haupt­satzes an­kün­digt und den Haupt­satz gleich dar­auf be­en­det?

Aufbau der Satzzeichen Komma, Punkt, Fragezeichen, Ausrufezeichen, Semikolon, Doppelpunkt und Gedankenstrich.

Alle Schriftzei­chen sitzen auf der Grund­linie. Sie ist die Orien­tie­rungs­linie beim Lesen. Darüber liegt ein schmaler, grauen Streifen. Was bei einem Satz­zei­chen darin liegt, in­for­miert aus­schließ­lich darüber, wie sich die­ses Zeichen syntaktisch verhält. Im grauen, syn­tak­tischen Strei­fen kann es nur den Punkt oder das Komma geben. Dieses behauptet, daß der Haupt­satz wei­ter­geht, der Punkt be­fielt das Ende des Haupt­satzes.

Über dem grauen Streifen liegt der pragmatische (violett). Prag­ma­tisch be­deu­tet hier: auf den Sprech­akt be­zogen. Die prag­ma­tische In­for­ma­tion des Frage­zei­chens sagt: Die­ser Satz ist eine Fra­ge. Der prag­ma­ti­sche Über­bau des Frage­zei­chens ist eine ge­schwun­gene Linie. Sie deu­tet an, daß der Stimm­ton bei einer ge­spro­che­nen Frage nach oben geht. An dieser In­tona­tion erkannt man in der ge­sproche­nen Spra­che eine Frage.

Das pragmatische Element des Ausrufezei­chens gleicht einer Wand, gegen die man beim Lesen prallt. Genau diese Wir­kung wol­len Aus­rufe­sätze er­zie­len.

Das Semikolon sagt im grauen, syntaktischen Streifen, daß der Haupt­satz hier nicht endet. Darüber teilt es mit, daß man den vor­an­gegan­genen Glied­satz aber wie einen Haupt­satz ver­ste­hen sollte.

Der Doppelpunkt beendet einen Haupt­satz (unterer Punkt). Dar­über noch ein Punkt: Abrupt brem­sen! So kippt man vorn­über, stürzt beim Le­sen auf das Kom­men­de. Ge­nau das er­wirkt der Dop­pel­punkt. Was nach einem Dop­pel­punkt kommt, ist syn­tak­tisch im­mer ein Haupt­satz. Den­noch schreibt man klein wei­ter, wenn die­ser Haupt­satz kein ge­beug­tes Verb ent­hält:

Das ist die Lösung für den Klimawandel: Wir brau­chen mehr Wind­räder.

Das ist die Lösung für den Klimawandel: noch mehr Wind­räder.

Für den Gedankenstrich und den Bindestrich gibt es ein eigenes TutorialTypografische Striche.