Journal

Aktualisiert am 04.08.2017 um 04:00 Uhr.

Julian Assange

»Mit der Entscheidung sei nicht über die Schuldfrage geurteilt, erklärte die Staats­anwalt­schaft.« — Ohne Urteil ist Julian Assange selbst­verständ­lich unschuldig und schwebt nicht in einer juristischen Super­position.

Meinen Artikel auf BL, in dem ich den Fall vor Jahren mit meiner vertieften Kenntnis des schwe­dischen Straf- und Straf­prozeß­rechts beurteilt hatte, habe ich letzten Herbst wegen Ver­jährung offline genommen.

Ich möchte noch einmal in Erinnerung bringen, daß in Schwe­den wie in Deutsch­land nie­mand ver­pflich­tet ist, mit der Polizei oder der Staats­anwalt zu spre­chen oder gar wie im Tatort im Ersten an seiner Über­führung mit­zuarbei­ten. Und um nicht mehr als eine Vor­ladung zu einer solchen Be­fra­gung handelt es sich in Assanges Fall.

Es ist in diesem nicht so, daß zwei Frauen mit einem seelisch vertret­baren Abstand von Stunden oder einer auch einer Woche un­abhän­gig von­einan­der an­gezeigt hät­ten, von Assange zu Ge­schlechts­verkehr ge­zwun­gen worden zu sein. Außer­dem hatte Assange keine Mög­lich­keit, die Frauen nach einer solchen Tat ein­zuschüch­tern. Die beiden Zeu­gin­nen hatten sich erst wesent­lich später ge­mein­sam zu einer Anzeige ent­schie­den, nachdem sie Kontakt zu­einan­der be­kommen und dabei her­aus­gefunden hatten, daß Assange mit beiden ein­vernehm­lich Ge­schlechts­verkehr gehabt hatte. Verrückte Femi­nistin­nen ver­treten die Ansicht, daß ein­vernehm­licher Geschlechts­verkehr nach­träglich als Ver­gewaltigung zu werten wäre, wenn es die Frau bereut, mit dem Mann ins Bett gegangen zu sein.

Dazu gehört leider auch die Staats­anwältin. Sie hat in all der Zeit keine Beweise oder Indizien vorgelegt — abgesehen von der gemeinsam­schaftlichen und zugleich in­konsistenten Aussage zweier Frauen. Darum hat die Staats­anwältin Assange auch nicht wegen Ver­gewal­tigung suchen lassen, sondern wegen sexueller Nötigung, eines Delikts nämlich, das in Schweden wesent­lich weniger Beweise er­for­dert. Der Tat­vorwurf erfüllt bei voll­zogenem Geschlechts­verkehr aller­dings gar nicht die Be­schrei­bung der Nöti­gung, sondern allein die der Ver­gewal­tigung.

Belles Lettres bei Minds.com

Belles Lettres hat jetzt ein Profil beim Netz­werk Minds, das sich anschickt, Face­book und Youtube zu ersetzen.

Unsere Diskussionsgruppe bleibt geschlos­sen bei Face­book. Dieser Ort ist viel­leicht nicht ideal, aber immer noch am besten, weil die meisten dort bereits ein Konto haben und sich dort auf­hal­ten. Wer Face­book nicht mag oder Be­den­ken hat, dem empfehlen wir, sich ein Pseudo­nym zuzulegen.

Minds steht noch am Anfang, verspricht jedoch, Schöpfern keine solchen Pro­bleme zu machen, wie sie sie bei Face­book und You­tube zu erdulden haben. Wir werden dort alles posten, was wir auch bei Face­book posten, und zudem noch die Screen­shots, die ich seit dem Herbst auf jeder Video­seite anbiete.

BL bei Minds

Belles Lettres bei der Unterhachinger Lesenacht

Daniel wird am 13. Mai 2017 bei der Unterhachinger Lesenacht (im Süden von München) zwei Vorträge mit verschiedenen Themen und an verschiedenen Orten halten. Das Signieren von Büchern ist möglich, wenn Ihr das Exemplar mitbringt.

Beide Orte liegen unmittelbar beim S-Bahn-Bahnhof Unterhaching.

Der erste Vortrag beginnt um 19 Uhr im KWA (ein Pflegeheim), der zweite um 21 Uhr in der Buchhandlung Helming & Heuser.

Unterhachinger Lesenacht

Neues Videotutorial: Alptraum oder Albtraum?

Wir klären die Rechtschreibung von Alptraum und ergründen die Etymologie von Alp. Haben die Alben etwas mit den Alpen zu tun? Welcher Zu­sammen­hang steckt zwischen elfisch und elbisch?

Video-Tutorial

Seinfeld

In dem Namen Seinfeld (wie die TV-Serie) steckt mittelenglisch shēne (schön), as in that was a lady fayre and schene, das sonst ausgestorben ist. Seinfeld entspricht damit deutsch Schönefeld oder Senefeld. Alle englischen Orts- und Nachnamen mit shine oder scene gehören dazu, obwohl von ihnen kaum noch welche übrig sind.

Celtic

Englisch Celt (Kelte) und Celtic (keltisch) spricht man regulär mit /k/, nur den Fußballverein Celtic Glasgow mit /s/.

Sozusagen

Belles Lettres bei Sozusagen im Bayerischen Rundfunk:

Sendung anhören

Consecutio temporum

Hier eine kleine Anmerkung für Sprachlehrer und Lateinschüler:
Es heißt cōnsecūtiō témpŏrum und nicht cōnsecūtiō tempōrum.

Im Denksport-Buch habe ich bei allen lateini­schen Wör­tern und Gram­matik­begriffen die Vokal­längen und -kürzen markiert, wie sich das für einen braven Lateiner gehört. Die habe ich vor der Druck­legung alle noch einmal nach­geprüft, weil es durchaus vor­kommen kann, daß man sich bei einem Wort seit der fünften Klasse zum Narren macht.

Bei einer Phrase wie consecutio temporum geht das nicht mit dem Wör­terbuch, deshalb habe ich alles von Standard­grammati­ken bis zu lati­nisti­schen Fach­büchern konsultiert, in denen Vokal­längen markiert wurden. Aus­gerechnet bei consecutio temporum, dem Fach­begriff für die Zeiten­verschie­bung bei der in­direk­ten Rede, die es in allen Nachbar­sprachen, aber nicht beim deutschen Konjunktiv gibt, fanden sich auf temporum keine Markierungen. Die Ver­fasser wollten es so aussehen lassen, daß dieser Fall so eindeutig ist, daß es keine Mar­kierun­gen brauche, aber die schnöde Wahrheit ist, daß sie die Längen nicht kannten.

In englischsprachigen Grammatiken fand ich mehrmals cōnsecūtiō tempōrum, während ich aus dem Lateinunterricht cōnsecūtiō témpŏrum kannte. Langen Vokal im Genitiv Plural hat mit Sicher­heit die a-Klasse — amic∙ā∙rum —, weil das Suffix von ur­indoger­manisch ∙eh₂ (im Denk­sport­buch als a-Wörter be­zeich­net) her­rührt, das zu ā wird. Diese Länge hat ana­logisch auf die o-Klasse abgefärbt: urlateinisch amic∙ŏ∙rum → lateinisch amic∙ō∙rum.

Tempus ist aber ein konsonantischer s-Stamm und kein o-Stamm. Die Länge könnte zwar bis hierher abgefärbt haben, aber eine solche Annahme verlangt aus­drück­liche Beweise, wie man sie aus der Metrik gewinnt. Da es Sonntag und am Dienstag Impri­matur war, habe ich die beiden höch­sten Authori­täten für lateinische Vokal­längen kon­sultiert, die es auf der Welt gibt: Wilfried Stroh, ein Latein­profes­sor, bei dem ich als Student selbst noch Vorlesungen über Latein und auf Latein gehört und sogar ein Seminar zur lateini­schen Metrik besucht habe, gilt weltweit als bester aktiver Latein­sprecher. Dazu noch den Thesaurus Linguae Latinae.

Herr Stroh antwortete noch am Sonntag, die Antwort vom Thesaurus kam am Montagmorgen, und zwar vom Direktor persönlich. Es ist interessant, daß ein Wörterbuch, an dem seit hundert Jahren gearbeitet wird und das seitdem beim Buch­staben P angekommen ist, regel­mäßig schneller hilft als der ADAC.

Beide sprachen sich eindeutig für cōnsecūtiō témpŏrum aus. Das ist durch die Metrik ganz sicher nachzuweisen. Das heißt alle Neutra auf ∙us (im Denk­sport­buch auf Seite 86 aufgeführt) haben im Genitiv Plural ererbte Kürze: ∙ŏrum.

BL-Webseite

Inzwischen läuft die Webseite rund. Das Journal habe ich noch einmal neu gelayoutet. Das nächste Video kommt in den nächsten Tagen. Die Karten­sektion kommt noch vor Jahres­ende.

Neue Lernkarte

Die Wörter Pagina, page, Pakt, Fuge, Fach und fair sind alle mit dem deutschen Verb ›fangen‹ verwandt.

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